Göltzschtalgalerie entführt in heile Welten

Die Naive Kunst wird neben der arrivierten gern belächelt - zu Unrecht, wie eine Schau in Auerbach zeigt. Ab morgen sind 85 Werke von Olaf Ulbricht zu sehen.

Auerbach.

Beim Anblick von Olaf Ulbrichts "Heile Welten" geht Galerieleiterin Romy Hartwig das Herz auf: "Der Anblick fühlt sich wie eine Zeitreise zurück in Kindertage an", schwärmt die 53-Jährige.

Ulbrichts heile Welten - das sind Titel wie "Weihnachtsmarkt im Dorf", "Novemberstimmung" oder "Das Geschenk". Was sie alle kennzeichnet: Farbenfroh nimmt der Künstler den Betrachter mit in eine Welt voller wundervoller Details. Ob stille Landschaften oder quirlige Marktszenen - sie spielen sich alle in einer ländlichen Idylle ab. Hartwig assoziiert damit die Kinderbuchillustration zu DDR-Zeiten.

Zu DDR-Zeiten stellte der gebürtige Meißner und spätere Schwarzenberger zwar schon aus - der Beitritt zum staatlichen Künstler-Verband blieb dem Lehrer wegen fehlender Ausbildung aber verwehrt. Die Ulbrichts stellten einen Ausreiseantrag und verließen die DDR 1986. Im rheinhessischen Weindorf Verndersheim fanden sie eine neue Heimat. Und seit er 2011 pensioniert wurde, sei er nun hauptberuflich naiver Maler, bemerkt der Künstler etwas süffisant mit Blick auf den Umstand, dass die Naive Kunst in der Szene immer etwas belächelt werde.

Ulbricht stellt inzwischen international aus. Vor zwei Jahren - 30 Jahre, nachdem er dem Osten den Rücken gekehrt hatte - war er erstmals wieder in Sachsen zu sehen: in Zwenkau. Nach Meerane 2017 ist Auerbach die dritte Station in seiner früheren Heimat. "In Sachsen wohnt immer noch meine Seele", antwortet der 67-Jährige auf die Frage, was ihm die Schau im Vogtland bedeutet. Ulbricht sieht sich ein bisschen in der Tradition des Biedermeiers und verweist mit Ludwig Richter auf einen sächsischen Vertreter dieser Stilepoche. Auerbach sei zudem seine größte Schau insgesamt: 85 Werke haben Romy Hartwig und ihr Team präsentiert. ( mit gt)

Vernissage "Naive Malerei" von Olaf Ulbricht: heute, 19.30 Uhr in der Göltzschtalgalerie Auerbach. Die Schau dauert bis 10. Februar und ist mittwochs bis freitags jeweils 11 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

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1Kommentare
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    881924
    09.11.2018

    Danke aus Chemnitz für diesen gelungenen redakt. Beitrag! Wir lieben die Bilder von Herrn Ulbricht seit Jahren... HG aus Chemnitz



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