Junger Tischler macht sich im Vogtland nützlich

Seit über einem Jahr ist Tim-Luca Saur auf der Walz. In Südwestsachsen gefällt es dem Eifler gut. Die nächsten Ziele seiner Wanderung liegen außerhalb Deutschlands.

Oberlauterbach.

Sein Spitzname "Locke" steht auf einer Holzklammer, die lässig an seiner traditionellen Handwerker-Weste angeklemmt ist. Seit Oktober vorigen Jahres ist Tischlergeselle Tim-Luca Saur auf der Walz. In diesen Tagen macht sich der junge Mann im Oberlauterbacher Natur- und Umweltzentrum (NUZ) nützlich. Für Essen und Unterkunft packt der junge Mann aus der Eifel im ehemaligen Rittergut fleißig mit an. Zusammen mit dem Team aus der Holzwerkstatt baut er Fledermauskästen und Vogelfutterhäuschen zusammen. In diesem Umfeld fühlt er sich pudelwohl. "Für den Naturschutz interessiere ich mich schon seit meiner Kindheit" plauderte der ambitionierte Handwerker aus dem Nähkästchen.

Wie so oft in den vergangenen Monaten führte ihn der Zufall an den nächsten Ort seiner Wanderschaft. Als er kürzlich einen Bäckergesellen aus dem oberen Vogtland auf seinem Weg nach Hause begleitete, bekam er von ihm den Tipp für die Unterbringung im NUZ. Das Team nahm den 23-Jährigen herzlich auf. Aufgrund der aktuellen Corona-Maßnahmen sei es für den Handwerksgesellen momentan schwierig, in Tischlereien einen Job zu bekommen. "Durch den Lockdown habe ich viele Absagen bekommen." Trotz Corona habe er nur kurz darüber nachgedacht, alles abzubrechen. Aufgeben war für ihn letztlich keine Option. Zwischendurch arbeitete "Locke" unter anderem in einer Zimmerei, beim Landschaftsgärtner und in einer Großküche. "Es ist eine sehr interessante Zeit auf der Straße." In der Weihnachtszeit seien die Leute besonders freundlich zu ihm. "Ich trage regelmäßig ein, wo ich überall übernachtet habe."

Noch bis Freitag wohnt der Besucher aus Nordrhein-Westfalen in der Naturherberge. Momentan ist er der einzige Übernachtungsgast. Wenn alle Mitarbeiter in den Feierabend gehen, wird es sehr still. "Ich lese viel und höre Musik." Die Nachrichten im Fernsehen nimmt er auch noch mit. Ihm bleibt viel Zeit, in Gedanken zu versinken. Sein großer Traum ist ein Gemeinschaftshof, in dem mehrere Generationen zusammen leben und arbeiten. Das ist die Zukunft. Jetzt will der umtriebige Geselle auf der Walz möglichst viel erleben. Aus drei Jahren wird aller Voraussicht nach mehr. "Ich möchte auf jeden Fall länger unterwegs sein", verriet er. Nach etlichen Stationen in Deutschland zieht es ihn ins Ausland. Skandinavien und Kanada sind seine Favoriten.

Mit seinem jugendlichen Elan beeindruckte der Tischler auch NUZ-Mitarbeiter Reiner Tschaschke. "Fachlich braucht man ihm nichts zu erklären. Er kann richtig zupacken und sieht die Arbeit." Im Vogtland scheint es dem Wanderburschen ganz gut zu gefallen. "Ziemlich bunter Haufen. Ich komme gern wieder."

Sein nächstes Ziel ist die Krabat-Mühle in Hoyerswerda. Dort will er Weihnachten und den Jahreswechsel verbringen.

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