Mit Fotos von der Clique fing's an

Anja Bolman aus Reichenbach macht ihre Leidenschaft zum Beruf - und fotografiert Menschen auf eine Art, die sie natürlich-romantisch nennt. Zu Herzen gehen auch ihre Fotos von Sternenkindern.

Reichenbach.

Frage: Welche Ihrer Fotos gefallen Ihnen selbst am besten? "Solche, in denen sich die Fotografierten wiedererkennen." Und welche Fotos gefallen den Fotografierten am besten? "Das sind die, in denen sich die Fotografierten wiedererkennen. Mir hat das mal eine Mutti so gesagt: Ja, das ist mein Kind." Ähnliche Sätze hört Anja Bolman öfter. Seit Jahren ist die 42-Jährige mit Kamera und Requisiten unterwegs oder fotografiert in ihrem Haus in Oberreichenbach: Babys, Familien, Hochzeiten, Feierlichkeiten, Portraits und Reportagen. Alles in ihrer Freizeit, doch das soll sich bald ändern. Denn ihre Fotos unter der Marke "Fotos mal anders" haben sich vor allem dank Facebook und Co zu Rennern entwickelt.

"Im Prinzip habe ich schon immer etwas anders fotografiert, habe viel rumexperimentiert", erzählt die Fotografin über ihren Weg zur Fotografie. Der begann im Teenager-Alter in Mylau - dort ist Anja Bolman aufgewachsen, hielt die ersten Landschaften fest und hatte den Apparat auch beim Umherstreifen mit der Clique zur Hand. "Die Bilder von uns tragen jetzt bei unseren Treffen zur Erheiterung bei. Ja, so haben wir mal ausgesehen. Ja, und das sind wir heute." Später kamen alle möglichen Fotos hinzu, auch die aus der Welt der Arbeit - zum Beispiel von den Brummifahrern eines großen sächsischen Fuhrunternehmens. Dort war Anja Bolman als gelernte Speditionskauffrau bis vor kurzem Abteilungsleiterin. "Reportagen in Firmen oder auch alte Menschen, das ist das, was ich ausbauen will. Ich bin auch aufgrund gewachsener Nachfrage an einem Punkt, an dem ich mich ganz auf die Fotografie konzentriere."

Ein besonderes Genre dabei ist das Baby-Foto. "Diese Fotos sind mir unter den liebsten die liebsten", erzählt Anja Bolman. Von Zeit zu Zeit gehen dabei mit ihr fast die Pferde durch. Dann startet sie im Internet Aufrufe: "Suche Mini-Models zum Experimentieren." Und die Mütter kommen nach Oberreichenbach. Schauen zu, wie die Fotografin ihre Kinder in Tüchern, Kissen oder Gefäßen bettet und bei wechselnden Lichtverhältnissen aufnimmt. So entsteht Bild für Bild das Set für den nächsten, Trend setzenden Baby-Foto-Katalog. Doch das ist nicht alles.

Für eine stille Dankbarkeit fotografiert Anja Bolman seit Jahren Sternenkinder - das sind tot geborene Kinder oder Kinder, die nicht lange zu leben haben. Wie viele in dem gleichnamigen Verein organisierte Fotografen schenkt sie mit diesen ersten und letzten Fotos eines Kindes den Familien das würdevolle Abbild einer Wirklichkeit, die viele verdrängen. "Doch der Tod gehört zum Leben. Mir hat eine Psychologin gesagt, der beste Weg, mit so einem Trauma fertig zu werden, ist der, die Trauer zuzulassen und sich den Tatsachen zu stellen. Die Fotos helfen dabei, das kenne ich aus vielen Gesprächen." Für diese Familien fährt Anja Bolman in Krankenhäuser in ganz Sachsen - je nach dem, welcher über ein Handy-Alarm-System informierte Sternenkind-Fotograf gerade verfügbar ist. "Leider machen nicht alle Kliniken in unserer Region auf diese Möglichkeit aufmerksam."

Ihre Art, Menschen zu fotografieren, nennt Anja Bolman natürlich-romantisch - ohne Kitsch. Oft, wenn sie zum Beispiel mit Familien in der Natur ist oder Feiern begleitet, dauert so ein Einsatz Stunden. "Erst wenn ich nicht mehr als Fotograf wahrgenommen werde, beginnt das wirkliche Fotografieren. Erst dann werde ich der Persönlichkeit der Menschen gerecht. "

Und wann ist der richtige Augenblick, auf den Auslöser zu drücken? "Woher die Intuition kommt, das weiß auch ich nicht. Ich weiß nur, dass ich das künftig nur noch machen werde." Allerdings gibt's davor eine kleine Auszeit - Anja Bolman erwartet in Kürze ihr drittes Kind.

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