Pöhl zwischen Kult und Kommerz

Wohin entwickelt sich das beliebte Freizeitareal? Alteingesessenen Besuchern macht so manche Veränderung an der Talsperre durch den Zweckverband Bauchweh. Zu Recht?

Pöhl.

Im Erholungsgebiet Talsperre Pöhl zeichnen sich zurzeit gegenläufige Trends ab: Zum einen hören langjährige Macher auf. Neue Anbieter in Sachen Sport und Erholung rücken dagegen nach. Zum zweiten fürchten alteingesessene Camper, dass höhere Preise durch Modernisierungen sie zugunsten einer verjüngten, schickeren Pöhl verdrängen. Gäste-Rufe nach Verbesserungen im Kleinen gibt es seit Jahren. Zum dritten investiert der Zweckverband in Großprojekte für ein Klientel, das nicht jeden Cent umdrehen muss. Der Verband plant die nächsten Entwicklungen - und meldet steigende Gästezahlen. Was ist dran an den Ängsten und wohin bewegt sich die Pöhl? Eine Zwischenbilanz.

Wer geht: Gastwirt Jonny Sauerwein will das Landhotel Alt-Jocketa nach knapp 15 Jahren verkaufen - genau wie Jan-Ullrich Weithase das Lokal Talsperrenblick Pöhl. Er betreibt es seit 18 Jahren. Beide Wirte geben Altersgründe an. Vor Kurzem hat Kletterwald-Betreiber Jörg Böhm den Pachtvertrag für die Gastronomie auf den zwei Fahrgastschiffen gekündigt: zu große Verluste. Seine Änderungsideen lehnte die Geschäftsführerin des Zweckverbands, Mariechen Bang, ab.

Wer kommt: Besonders sportliche und entspannende Angebote sind zuletzt an der Pöhl aufgetaucht. Jasmin Wolf macht Training auf Stehpaddel-Brettern, Janet Schaer nutzt sie als schwimmende Yogamatten. Sascha Winkler bietet Stehpaddeln mit Hund an. Bereits zum zweiten Mal veranstalteten Ilka Ehringer und Mario Söllner "Yoga am See" - mit gut doppelt so vielen Teilnehmern wie im Vorjahr. Sport boomt an der Pöhl: 2018 fand der 20. Triathlon statt und zum ersten Mal ein Trailrennen - mit einer Riesen-Resonanz. Chef-Organisator Martin Hafenmair hätte Lust auf eine Neuauflage in 2019. Segel-Regatten sind nach wie vor ein Aushängeschild, auch Wettkämpfe im Freiwasserschwimmen finden im vogtländischen Meer statt. Detlef Betz von der Surfschule Papa-Jo stellt jedoch fest, dass nicht allzu viele neue Nutzer nachkommen: "Das Stehpaddeln hat einige angezogen, aber es sind weniger Windsurfer geworden."

Siedler-Zoff: Einen jahrelangen Rechtsstreit um die Pachten in der Siedlung Voigtsgrün hat der Zweckverband gewonnen: Siedler sollen nun mehr als drei- oder viermal so viel zahlen. Nach Angaben von Mariechen Bang haben 160 den neuen Mietvertrag unterzeichnet, zehn fehlen noch. Der Vorstand des Vereins Bungalow- und Laubensiedlung Voigtsgrün, André Lenk, sagt dagegen: "Unterschrieben ja, aber die meisten unter Vorbehalt." Viele hätten ihre Parzelle verkauft. "Die wollten nicht mehr", so Lenk.

Camper-Frust: Am Campingplatz Voigtsgrün geht die Furcht vor Wucher-Pachten bis heute um. Der Zweckverband hatte für 850.000 Euro eine Halle zur modernen Sanitäranlage umgebaut. Angefallene Kosten sollen sich in der Parzellenpacht niederschlagen, so Mariechen Bang. Rund 350 Camper gingen gegen den aus ihrer Sicht überflüssigen "Puller-Palast" auf die Barrikaden. Viele sind Rentner, kommen seit Jahren an die Pöhl und haben Angst, sich "ihr" Plätzchen nun bald nicht mehr leisten zu können. Die neuen 26 Komfort-Stellplätze am Campingplatz Gunzenberg dagegen sind begehrt, teilt Mariechen Bang mit. Dass sich die Pöhl immer mehr Richtung Profit und Kommerz verschiebt, sieht ein langjähriger Anbieter an der Talsperre, Jens Benkert vom Partyfloß, allerdings nicht so. "Es ist für jeden was dabei, günstige und teurere Übernachtungen", findet er. Alteingesessene würden nicht zugunsten eines zahlungskräftigeren, jüngeren Publikums verdrängt.

Dauerbrenner FKK-Strand: Die Kritik der Gäste am FKK-Gelände wiederholt sich seit Jahren: schmutzige Dixi-Klos, eine Ruckelpiste als Anfahrt und immer teureres Parken. Ein Pkw-Jahresticket am FKK-Strand kostet nach der jüngsten Erhöhung 80 statt 60 Euro. Manche Nackedeis sind erbost, weil sie den Eindruck haben, immer mehr draufzuzahlen - aber keine neuen Annehmlichkeiten zu bekommen. Zuletzt investierte der Verband dort in Wohnmobil-Stellplätze und brachte Strom an den Strand - gut für Imbissbetreiber Jörg Steudel. Ins Camping soll dort noch weiter investiert werden, auch wenn die Erschließung des Areals erst in einigen Jahren ansteht, heißt es aus dem Zweckverband. Dafür, dass Parkplatz-Pächter Ronald Barthel bleibt, stehen die Chancen gut: Er möchte weitermachen, sagte er "Freie Presse". Mariechen Bang erklärte, auch der Zweckverband würde gern einen neuen Vertrag mit Barthel abschließen. Die Verhandlungen seien aber noch nicht durch.

Baustellen und Investitionen: Jüngst fertig geworden sind auch die sanierte Gaststätte Strandhaus auf der Schlosshalbinsel (71.000 Euro) sowie neue Wasserwanderrastplätze und Stege (gut 86.000 Euro) rund um die Pöhl. Als Nächstes will der Verband die Strandpromenade Jocketa für 2,3 Millionen Euro in Angriff nehmen. Eine neue Slipanlage gibt es schon. Geplant sind noch 36 Stellplätze direkt am Wasser oder Wasserwanderlandschaft. Auch der nahe Freizeitgarten mit seinen Spielgeräten und Minigolf soll umgestaltet werden - 2019 könnte es losgehen. Doch beim größten Projekt, dem Seepark Helmsgrüner Bucht, geht es nur kleckerweise voran: Auf der Schlosshalbinsel soll eine hochwertige Urlaubsanlage entstehen. Angepeilt für die Fertigstellung war ursprünglich dieses Jahr. 2019 soll nun die Erschließung losgehen. Noch dieses Jahr soll nach dem Fahrgastschiff "Plauen" auch die "Pöhl" eine umweltfreundlichere und leisere Antriebstechnik bekommen - ebenfalls vom Land gefördert. 2019 will der Verband 1,65 Millionen Euro an der Pöhl investieren. Größte Brocken: Seepark Helmsgrüner Bucht (782.000 Euro) und "kleine infrastrukturelle Erlebnisbereiche" (727.000 Euro).

Radweg-Wunsch: Endlich ein Radweg rund um die Talsperre wäre schön, ist immer wieder zu hören. "Damit lockt man Leute her", so Jens Benkert. Detlef Betz sagt: "Die meisten Leute wollen gern einen durchgehenden Radweg." Pläne gibt es beim Zweckverband längst. Doch es hakt an privaten Grundstücken, über die der Weg führen würde, und an der Finanzierung. So müssten die Anliegerkommunen Neuensalz und Thoßfell Millionen in die Hand nehmen - die sie nicht haben.

Gäste-Plus: Mehr Gäste als 2017 hat der Verband dieses Jahr gezählt. Zum Stichtag 31. August waren es knapp 28.000 Camping-Übernachtungen, hieß es. Das sei ein Plus von 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch die Schiffe wurden laut Zweckverband stärker genutzt: Knapp 35.000 Gäste schipperten auf der Pöhl - ein Plus von 14 Prozent.

Geschäftsführer-Wechsel: Mariechen Bang hängt noch ein Jahr dran. Ihr Vertrag wurde bis zum 30. Juni 2019 verlängert, heißt es auf Anfrage aus dem Landratsamt. Ein Wechsel solle zum 1. Juli 2019 erfolgen, die Stelle werde ausgeschrieben.

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