Räumungsklage in Kolonnaden: Der Fischmann soll gehen

Der nächste große Mieter steht kurz davor, seine Sachen zu packen. Es ist der Fischlokal-Besitzer. Freiwillig geht er nicht. Er streitet mit dem Eigentümer des Einkaufszentrums vor Gericht. 

Plauen/Zwickau.

Egon Wilschke war einer der ersten, die ihren Laden einräumten. Er ist der mit dem frischen Fisch. Vor 19 Jahren zog er in die Kolonnaden, die damals das modernste Einkaufszentrum der Innenstadt waren. Als das Center eröffnete, stand Wilschke schon am Tresen. Jetzt bereitet er seinen Abgang vor. "Vor der Rente flieg ich auf die Schnauze", sagt Egon Wilschke, der jetzt 58 ist.

Er hat mehrere Tausend Euro Mietschulden. Das führt soweit, dass gerade ein Rechtsstreit mit dem Eigentümer des Centers läuft. Vor wenigen Tagen trafen sich Wilschkes Rechtsanwältin und eine Anwältin, die den Eigentümer vertritt, zum Prozess am Landgericht Zwickau. Der Fischmann soll sein Geschäft räumen und den Schlüssel abgeben. Das Urteil verkündet Richter Andreas Schnorrbusch in zwei Wochen, aber es sieht nicht gut aus für Wilschke. "Mit diesem Zahlungsverhalten in den Räumen zu bleiben, das ist nicht drin", sagt Schnorrbusch. Wilschke zahlt nach eigenen Angaben seit Monaten keine Miete mehr: "Wie soll der kleine Mann sonst zeigen, dass er grantig ist?"

Noch im September wird er seine Sachen packen und gehen. So sieht es zumindest aus. Seinen Mitarbeitern hat er zum Monatsende gekündigt. Möglich, dass er nach dem Urteilsspruch früher sein Geschäft räumen muss. Das wäre die nächste Schließung in den Kolonnaden. Mehr als ein Drittel der Ladenflächen liegt seit Monaten brach.

Vergangenen Herbst hatte die damalige Managerin des Hauses verkündet, dass ein Publikumsmagnet einziehen soll. Die Hoffnung, die die Nachricht bei den Händlern auslöste, ist längst abgeebbt und die Stimmung schlecht. Sie klagen über Umsatzeinbußen und steigende Mietnebenkosten.

Cino Gökcen vom Döner-Spieß sagt, er habe keinen Bock mehr. "Das Boot ist führungslos", sagt er. Bis auf die Haustechniker habe er in den vergangenen Monaten keinen Ansprechpartner gehabt im Management. Das hat inzwischen gewechselt. Seit gestern gibt es eine neue Centerleiterin, die sich einarbeitet. Für Fragen steht sie voraussichtlich ab Ende der Woche zur Verfügung, sagte sie auf Nachfrage. Egon Wilschke macht die Eigentümer verantwortlich. Die müssten sich um neue Mieter kümmern, denn unter dem Leerstand leide die Fressmeile. Früher habe er jeden Tag 300 Fischbrötchen verkauft, jetzt seien es 80. "Der Steuerberater hat meinen Gewinn ausgerechnet. Mir bleiben am Jahresende 15.000 Euro brutto", sagt Wilschke.

Für Schnorrbusch, den Richter im Landgericht, spielt es keine Rolle, wie es unter den Händlern menschelt. Wie wirtschaftlich der Fischladen ist, interessiert die Justiz nicht. "Das Einkaufszentrum ist nicht mehr so ertragsreich. Das Schicksal teilen viele", sagt Schnorrbusch. Der Fischhändler täte gut daran, seine Sachen zu packen und so schnell wie möglich zu verschwinden.

Die Kolonnaden gehören einem Immobilienunternehmen mit Sitz in Luxemburg. Die Hamburger Völkel-Gruppe, die mit dem Management beauftragt war, ist im Juni ausgestiegen. Die Gruppe hatte sich erst im Herbst 2016 als Sanierer der Kolonnaden vorgestellt und wollte ein neues Konzept für das abgenutzte Haus entwickeln. Unter anderem ist sie darauf spezialisiert, solche Zentren zu optimieren.

Cino Gökcen, der seit zwölf Jahren seinen Stand hat, klagt über die Mietnebenkosten. Seit zwei Jahren etwa zahle er fast doppelt so viel wie zuvor. 8000 Euro Nebenkosten habe er damals für ein Jahr nachzahlen müssen. "Bei meinem Fischladen waren es 10.000 Euro Nachzahlung", sagt Wilschke. Danach sei es für sein Geschäft schwerer geworden.

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