Rast in Kapelle und Hotel: Pilger sollen Lengenfeld beflügeln

Vor allem Wirte sollen davon profitieren, dass die Route nach Santiago durch das Vogtland führt. Jetzt müssen Wanderer sich nur noch um die richtige Muschelfarbe sorgen.

Lengenfeld.

Gottesdienste in der Pilgerkapelle Waldkirchen sind schwierig. Wenn ein Priester in dem Gebäude steht, ist für die Gemeinde schlicht kein Platz mehr, so klein ist es. Das bleibt auch so. Aber zumindest Andachten vor der Kapelle, die ein beliebter Anlaufpunkt für Pilger ist, könnten künftig leichter möglich sein. "Dort soll eine Art Überdachung entstehen", kündigt Heinz-Werner Lehmann an, Vorsitzender des Vereins "Sächsischer Jakobsweg an der Frankenstraße". Lehmann hatte sich kürzlich mit Lengenfelds Bürgermeister Volker Bachmann (pro Lengenfeld) getroffen, um die Verzahnung zwischen Pilgerweg und Kommune voranzutreiben.

Das Ergebnis: Es wird nicht beim Aufhübschen des Kapellenbereichs bleiben. "Der Jakobsweg soll ein Wirtschaftsfaktor für Lengenfeld werden", kündigt Bürgermeister Bachmann an. Pilger sind Besucher, die irgendwo essen und trinken müssen. Gute Nachrichten also für Hotels, Pensionen und Gaststätten.

Und die Anzahl derer, die sich von Sachsen aus auf den Weg zum Grab des Apostels Jakobus ins knapp 3000 Kilometer entfernte Santiago de Compostela in Nordspanien machen, steigt. Dies macht Vereinsvorsitzender Lehmann an der Zahl der Pilgerpässe fest, die er jedes Jahr ausstellt. Einer der Gründe sei das populäre Buch "Ich bin dann mal weg" von Hape Kerkeling. In diesem beschreibt der deutsche Komödiant die Erlebnisse seiner Pilgerreise.

Kerkeling begann seine Tour in Frankreich. In Lengenfeld ist er also gewesen. Doch wer in Sachsen Richtung Spanien startet, kommt fast zwangsläufig durchs Vogtland. Bürgermeister Bachmann will nicht ganz so gut betuchten Pilger helfen, in Privatquartieren einen Platz zum Übernachten finden. Außerdem soll eine Stele an der Strecke über den Jakobsweg informieren. Wo die hinkommt, steht noch nicht fest.

Helfen kann Bachmann auch bei einer anderen Aufgabe: der Suche nach Wegewarten. Vor allem darum hat sich Vereinsvorsitzender Lehmann in den Vorjahren im Raum Dresden und Bautzen gekümmert. Er suchte Personen, die die Wanderschilder mit der Muschel kontrollieren und bei Bedarf ersetzen. Nun will er im Vogtland aktiv werden. Rund um Lengenfeld hat sich darum bislang vor allem Gottfried Pester gekümmert, der Erbauer der Pilgerkapelle in Waldkirchen. Vom Prinzip bleibt das auch so. "Aber das sollte nicht allein auf seinen Schultern lasten", so Lehmann.

Meist wird das Rad bei der Errichtung der Pilgerpfade nicht völlig neu erfunden, sondern man hängt die Muschel-Schilder an bestehende Wanderwege. Da ist nur ein Problem: "Wanderwege sollen ja eigentlich in beide Richtungen ausgeschildert werden", so Lehmann. "Aber nach Santiago geht es ja nur in eine Richtung. Deswegen soll es gelbe Schilder mit blauer Muschel für die Gegenrichtung geben." An diesen sollte man sich als Pilger aber nicht orientieren. Nur wer der gelben Muschel folgt, erreicht irgendwann Santiago de Compostela.

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