Scheue Langzeitgäste blockieren Tierheimplätze

Viele Katzen im Treuener Tierheim haben eine besondere Geschichte. Die erschwert oft das Vermitteln an neue Pflegeeltern.

Treuen.

Cora lässt sich zwar von einigen Personen streicheln, sie ist aber sonst sehr zurückhaltend. "Offenbar wurde sie massiv misshandelt. Ihr Schwanz war abgehackt und es gab eine Verletzung oberhalb der Schwanzwurzel", so wird auf der Internetseite des Treuener Tierheims eine kastrierte Katze beschrieben, die seit knapp zehn Jahren dort lebt. Sie gehört zu den Langzeitgästen, die nach Ansicht von Tierheimchefin Karin Slogsnat Pflegeeltern "mit einem gewissen Katzenverstand brauchen".

Das Problem bei den Langzeituntermietern: Sie blockieren Plätze im Treuener Heim. Dabei verdienen sie eine besondere Behandlung, weil sie wie Cora in ihrem Leben schon oft negative Erfahrungen mit Menschen gesammelt haben. "Aber solche Katzen kommen halt nicht gleich auf die Tierheimbesucher zu und fangen mit ihnen an zu schmusen", sagt Karin Slogsnat. Fälle wie der als Fundtier 2006 ins Heim gekommene, kastrierte Kater Garfield sind selten. Er hat sich zur Schmusekatze entwickelt. Das Problem bei dem rotgetigerten Vierbeiner: "Er braucht unbedingt mindestens einen Katzenkumpel zum Spielen." Da das besondere Bedingungen sind, die viele Pflegeeltern nicht bieten können, ist er auch zum Langzeitgast geworden.

Schlechte Erfahrungen mit Menschen sind ein Grund, der fehlende Umgang mit Menschen ein anderer, warum Katzen scheu sind, lange Eingewöhnungszeiten brauchen und schwer zu vermitteln sind. "Die Tiere haben ihre Prägungsphase vom Öffnen der Augen bis zur siebenten/achten Woche", sagt Karin Slogsnat. Haben sie bis dahin noch keinen Kontakt zu Menschen bekommen, bleiben sie oft ihr Leben lang scheu. Das passiert vor allem mit Tieren, bei denen die Mutter scheu ist und ihren Wurf versteckt. Solche Katzen verärgern Tierheimbesucher, indem sie sich verstecken. Dabei sei es schon eine Herausforderung, einen ganzen Wurf in freier Natur einsammeln zu können, ohne dass die Katzenmutter einzelne Tiere in ein neues Versteck bringt.

Derzeit leben etwa 30 Katzen im Tierheim. Laut Karin Slogsnat gibt es eine Warteliste. In solchen Fällen füttern Tierfreunde einzelne Katzen, die ihnen zugelaufen sind, bis im Heim ein Platz frei ist. Das Problem: "Auf eine vermittelte Katze kommen drei neue."

Die Vierbeiner einfach in der Natur leben zu lassen, ist nach Ansicht der Tierheimchefin auch keine Lösung. "Unsere Hauskatzen stammen von nordafrikanischen Katzen ab. Sie brauchen einmal am Tag die Möglichkeit, dass sie sich aufwärmen können." Besteht die nicht, werden sie krank. Solche Fälle landen oft im Tierheim. Tierarztbesuche sorgen dafür, dass dort die Ausgaben steigen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...