Schlimmster Schädlingsbefall seit 1947: Fichtenwälder in Nöten

Leichtes Spiel für Borkenkäfer: Die Fichte ist Opfer des Klimawandels. Plauen muss den Stadtwald- Umbau forcieren.

Plauen.

Es sind surreale Bilder, die sich den Autofahrern stadtauswärts auf der linken Seite kurz vor der Autobahnauffahrt Plauen-Ost bieten. Ein vor wenigen Wochen noch üppig bewachsener Hügel im Voigtsgrüner Forst zeigt sich jetzt nahezu kahl. Am Waldrand stapeln sich große Mengen von frisch geschnittenen Stämmen, am Boden liegen Totholz und Rinde. Nur einzelne spindeldürre Laubbäumchen recken sich dort in die Höhe. Doch ihnen gehört offenbar die Zukunft.

Drei Hektar 30- bis 40-jähriger Fichtenwald mussten dort in kürzester Zeit beseitigt werden. "Massiver Borkenkäferbefall war Grund für die umfangreichen Holzentnahmen, sowohl aus städtischem Wald als auch aus angrenzenden Privatwaldflächen", antwortet Peter vom Hagen, Betriebsleiter der Gebäude- und Anlagenverwaltung der Stadt Plauen, auf Anfrage der "Freien Presse". "Das hat uns wehgetan", betont Forsttechniker Michael Ernst, der sich um den Stadtwald kümmert.

Die Fichten hätten noch 40 bis 60 Jahre Zeit gehabt, doch sie waren nach der seit Monaten bis heute andauernden Trockenperiode zu schwach, um dem Forstschädling etwas entgegenzusetzen. Um das Borkenkäfer-Problem zumindest einzudämmen, fiel rasch die Entscheidung. Das Holz wurde "geerntet, nicht gerodet", wie der Forsttechniker betont. Und schon bald soll dort der Waldumbau beginnen, um den Wald zukunftsfähig zu machen und dem Forstschädling Paroli bieten zu können. Denn "der Borkenkäfer ist überall", sagt Michael Ernst.

Und das bestätigt auch der Staatsbetrieb Sachsenforst. "Die bisherige Schadholzmenge liegt bereits beim Vierfachen des Vorjahres", sagt Ines Bimberg, die im Forstbezirk Plauen für Öffentlichkeitsarbeit und Waldpädagogik zuständig ist. Allein im Forstbezirk Plauen, der sich von Oelsnitz bis Crimmitschau erstreckt, rechnet die Behörde mit "mehreren Tausend Festmetern Schadholz". Betroffen sind alle Eigentumsarten. Und, so Bimberg: "Es wird die höchste Befallsmenge seit 1947 prognostiziert."

Dabei haben es die Waldbesitzer und Forstfachleute mit einer Ausnahmesituation zu tun, die den extremen Borkenkäferbefall begünstigt: Zunächst lieferten die Stürme im Herbst und Winter jede Menge bruttaugliches Holz. Dann ermöglichten die warmen Monate April und Mai den Borkenkäfern Flugaktivitäten drei Wochen früher als 2017, sodass jetzt bereits die dritte Generation des Schädlings unterwegs ist. In befallenen Bäumen sind alle Entwicklungsstadien von der Larve bis zum Altkäfer vertreten, erläutert Ines Bimberg. Als Turbo dieser Entwicklung erwies sich die seit dem Frühjahr anhaltende Trockenheit. Die gestressten Fichten sind kaum noch in der Lage, sich durch verstärkten Harzfluss zu wehren. Der Stern der Fichte ist angesichts des Klimawandels im Sinken. Die Zukunft liegt im Mischwald.

Sachsenforst appelliert an die Waldbesitzer, ihre Wälder regelmäßig zu kontrollieren und befallene Bäume zügig zu entfernen. Bis Ende März muss das Schadholz raus aus dem Wald. Und das nächste Problem deutet sich an: Das Überangebot führt zu einer schwierigen Marktlage. Sachsenforst bietet Waldbesitzern an, Käufer zu vermitteln.

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