Start mit Hupe und Luftballons: Jetzt gilt es fürs neue Busnetz

Lange wurde getüftelt, beworben und erklärt. Mit dem gestrigen Sonntag begann endlich die neue Zeitrechnung im Nahverkehr des Vogtlands.

Schöneck.

Luca Dressel ist der Stolz anzusehen. Kurz nach halb zwölf am gestrigen Sonntag darf der 18-Jährige im Führerstand eines Plusbusses am Bahnhof in Schöneck auf die Hupe drücken - und damit das neu aufgestellte vogtländische Busnetz in Betrieb nehmen. "Das ist eine große Ehre für mich", sagt der Rodewischer. Er ist ein begeisterter Busfan und will deshalb jetzt einen vogtländischen Bus-Simulator am PC entwickeln. "Drei, vier Jahre werde ich dafür brauchen", schätzt Luca Dressel. Kein Wunder, das neue Netz ist engmaschig wie nie. "Es ist das beste ÖPNV-System, das wir seit der Wende im Vogtland haben", lobt Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP), der als politischer Vertreter der Region den Startschuss erteilt. "Nutzen Sie es!", ruft er zahlreichen Besuchern in Schöneck zu - und geht an diesem Tag mit gutem Beispiel voran. Der bekennende Autofahrer ist mit der Vogtlandbahn nach Schöneck gekommen. Er kann sich vorstellen, häufiger den Nahverkehr zu nutzen. "Es ist ja auch eine Frage des Angebots", sagt Oberdorfer. "Aber jedes System braucht eine Anlaufphase", sagt er und hofft, dass möglichst viele Vogtländer das neue Angebot ausprobieren.

Diese Anlaufphase, sie setzt die Verantwortlichen unter Strom. "Diese Woche wird spannend", sagt Sebastian Eßbach, Interims-Co-Geschäftsführer des Nahverkehrs im Vogtland. Ob und wie ein Rad ins andere greift, jetzt wird es sich zeigen. "Wir sammeln Erfahrungen. Ende der Woche gibt es bereits die erste Auswertung." Manches wird bereits an Tag 1 sichtbar. In Oelsnitz gerät der erste Plusbus zwischen Plauen und Schöneck direkt ins Stocken, weil er an der Vogtlandsporthalle nicht durchkommt. Dort findet zu diesem Zeitpunkt die gut besuchte Mineralienbörse statt - und entsprechend viele Autos stehen im Umfeld. Der Busfahrer sei ganz schön ins Schwitzen gekommen, erzählt Frank Heidan - der frühere Plauener CDU-Landtagsabgeordnete ist an diesem Tag ebenfalls Fahrgast. "Die Leute sind es ja nicht gewöhnt, dass da plötzlich am Sonntag ein Bus kommt." Das Oelsnitzer Neubaugebiet war bislang gar nicht an den Nahverkehr angebunden - und profitiert jetzt gleich doppelt: Die Linienbusse von und nach Plauen steuern es an und ein neuer Stadtbus nimmt in Oelsnitz seinen Betrieb auf. Da könnten Bewohner ihr Auto getrost stehen lassen.

ÖPNV-Chef Sebastian Eßbach besitzt gar kein Auto, wie er gestern verrät. Von seinem Wohnort Zwickau zum Dienstort Auerbach nutzt er täglich die Bahn. Für dienstliche Wege steigt er in den Bus. Das sollen jetzt auch seine Mitarbeiter. Von Auerbach nach Plauen beispielsweise fährt jetzt stündlich ein Bus durch. Eßbach: "Wenn man mitfährt, merkt man sehr schnell, was funktioniert und was nicht."

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