Stillstand bei Schandflecken in Treuen

Lieber heute als morgen würde die Stadt die Ruinen zweier Industriebrachen beseitigen. Doch die Eigentumsverhältnisse verhindern das bislang.

Treuen.

Die Hoffnung der Stadtverwaltung Treuen, an der Straße der Jugend in absehbarer Zeit mit der Vowetex-Ruine aufräumen zu können, haben sich zerschlagen. Wie Bürgermeisterin Andrea Jedzig (Einzelkandidatin/CDU) im Stadtrat sagte, wollte man im Rathaus auf ein Förderprogramm setzen, das für Abbruch und Herrichten des Grundstücks einen Zuschuss von 80 Prozent der Kosten in Aussicht stellte. "Voraussetzung hierbei ist allerdings, dass die Kommune Eigentümer der Fläche ist beziehungsweise wird", nannte Jedzig den Knackpunkt, an dem das Vorhaben der Stadt scheiterte. Denn Nachfragen bei den Eigentümern der Vowetex-Brache ergaben: Derzeit besteht keinerlei Verkaufsbereitschaft.

Damit ist Treuen bei diesem Schandfleck kein Stück weiter als vor einem Jahr. Das Grundstück mit dem ehemaligen Textilbetrieb gehört einem Abbruchunternehmen aus Sachsen-Anhalt. Das hatte im Januar des vergangenen Jahres damit begonnen, den hinteren Teil der Brache an der Straße der Jugend abzureißen. Allerdings lediglich als Notmaßnahme, weil dieser Gebäudeteil einsturzgefährdet war. Pläne für irgendeine Form der Nachnutzung des Grundstücks gab es schon damals nicht. Das vordere Gebäude der Industrieruine mit dem markanten Vowetex-Schriftzug blieb stehen. In diesem Zustand präsentiert sich das Areal noch heute.


Während bei der Vowetex-Brache die Stadt immerhin noch einen Ansprechpartner hat, ist die Situation beim zweiten Schandfleck - die Ruine des ehemaligen Strickwarenbetriebes "Aktivist" - noch komplizierter. "Die im Grundbuch eingetragene Eigentümerin ist eine Gesellschaft mit Sitz in Bremen", gibt Stadtsprecher Philipp Kober Einblick. Die hatte die Betriebsgrundstücke 1999 erworben, um eine Wohnanlage zu errichten. Das Vorhaben scheiterte, die Gesellschaft meldete 2002 Insolvenz an. Das Insolvenzverfahren wurde mangels Masse abgelehnt, die Liquidation ohne Verwertung der Grundstücke abgeschlossen und die Gesellschaft 2003 aus dem Handelsregister gestrichen. "Sie ist aber noch immer im Grundbuch eingetragene Eigentümerin", weist Kober auf den Kern des Problems hin.

Der daraus folgende jahrelange Stillstand und die Verwahrlosung des Aktivist-Areals führten dazu, dass der Vogtlandkreis vor vier Jahren an der Marienstraße aktiv wurde. Im Zuge einer sogenannten Ersatzvornahme ließ die Bauaufsicht des Kreises das Gelände absperren - nach langem Ringen, auch mit der Stadt, die vor den von der Ruine ausgehenden Gefahren gewarnt hatte.

Inzwischen gibt es neue Gespräche mit der Kreisverwaltung. "Der Landkreis ist selbst an einer Lösung interessiert, da er seit Jahren die Kosten für die Absicherung tragen muss", sagt Kober. Ob diese Gespräche in eine befriedigende Lösung für Treuen münden - Abriss der Ruine beispielsweise - ist jedoch ungewiss. "Als Hürde bleiben immer noch die Eigentümerproblematik und die Kosten", so der Stadtsprecher.

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