Zuhörer gehen mit Karussell auf Tuchfühlung

Für Fans der ostdeutschen Kultband ist am Samstag in Auerbach ein Wunsch in Erfüllung gegangen. Beim Kirchentour-Stop füllte sich der Saal bis zum letzten Stehplatz.

Auerbach.

Kleiner hätte die Bühne in der Auerbacher Göltzschtalgalerie Nicolaikirche nicht sein dürfen. Mit Technik bestellt, blieb am Samstagabend kaum noch Platz für sechs Musiker. Und genau die wollten 200 Gäste sehen und hören: Zum ersten Mal rockte die legendäre Band Karussell das Haus. Auerbach war eine Station auf ihrer Kirchentour unter dem Titel "Wie ein Fischlein unterm Eis".

Mit dieser Tournee erfüllte sich nicht nur die einstige Ostrock-Band einen lange gehegten Wunsch. "Ich hätte nie gedacht, dass ich mal zu einem ihrer Konzerte fast laufen könnte", freute sich Anja Heinicke. "Früher musste man da weite Wege in Kauf nehmen." Für Verwandte aus Schwarzenberg hatte die Auerbacherin Karten mitorganisiert. Sonja Heinicke sammelt seit Anfang der 1990er Jahre Karussell-Werke. "Klar mag ich vor allem Hits von damals, aber durch die Neubesetzungen ist auch viel frischer Wind reingekommen", fand sie.

Die Chancen standen gut, dass alle Fans auf ihre Kosten kamen. Karussell reihten Klassiker und Neues aneinander, angefangen von "Entweder oder" über "Als ich fortging" bis zu "Geben oder nehmen" aus aktueller Produktion. Mit Wolf-Rüdiger Raschke und Reinhard Huth sind noch zwei Gründungsmitglieder vertreten. Auf Huths Initiative gründete sich die Band 2007 nach über zehn Jahren Abstinenz neu. Mit im Boot ist auch Joe Raschke wieder. Heute Frontmann und für Gesang, Keyboard und Bluesharp zuständig, hatte er am Samstag zwischendurch noch Puste für kurze Rückblicke. Als Jugendlicher habe er die Band beim Proben beobachtet, sagte Raschke. Seit 1988 ist er einer von ihnen. Obwohl die Besetzung mehrfach wechselte, ist sich Karussell treu geblieben. Beim Bandaufbau weichen sie von ausgetretenen Pfaden ab: Es gibt nicht einen Sänger, und alle anderen bleiben im Hintergrund. Fast alle treten auch stimmlich in Erscheinung.

Galerie-Leiterin Romy Hartwig zufolge war die Kartennachfrage gewaltig. "Ich habe noch Samstagmittag Anrufe für Vorbestellungen bekommen", sagte sie. Viele kassierten eine Absage. Denn schnell stand fest: Das Karussell-Konzert avanciert zur Veranstaltung mit den meisten Besuchern im ganzen Jahr.

Verhandlungsgeschick erforderte dessen Organisation. Karussell habe wie üblich mit einem Technik-Lastzug und sechs Technikern anreisen wollen, berichtete Romy Hartwig. Das war einige Nummern zu groß für die kleine Kultureinrichtung. Die Nicolaikirche hatte lediglich bis Ende des 19. Jahrhunderts als Kirche gedient und war dann als Aufbahrungshalle des damaligen Friedhofes genutzt worden.

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