23 Bekenntnisse für eine Stadt

Das Diskussions-Angebot auf dem Markt steht: Vogtlands größte Open-Air-Galerie mit XXL-Portraits von Reichenbachern für Reichenbacher lädt seit Montagabend ein.

Reichenbach.

Immer wieder bleiben vorübereilende Menschen stehen, vertiefen sich in die Bilder und schauen den Männern zu, die den Reichenbacher Marktplatz innerhalb von Stunden in die wohl größte Open-Air-Galerie des Vogtlands verwandeln: Seit Montagabend lädt diese weit und breit einmalige Ausstellung unter dem Titel "Du bist Reichenbach" ein, sich bis Ende Januar an acht großen Bildertürmen befestigte Portrait-Fotografien Reichenbacher Bürger anzuschauen - die für ihre Stadt werben.

Die je 2,30 mal 1,50 Meter großen, mit Zitaten der Portraitierten versehenen Aufnahmen vor allem von Händlern und Dienstleistern bilden den Auftakt einer neuen Image-Kampagne der Stadt und sollen ein Angebot darstellen, sich über die Stadt und das Verhältnis zu ihr Gedanken zu machen. Verantwortlich für die Outdoor-Galerie sind das Reichenbacher City-Management und der Gewerbeverein. Gefördert wurde die Aktion von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. City-Manager Severin Zähringer sagte: "Die Stadt, das sind nicht ihre Gebäude, sondern ihre Menschen. So nah wie hier kommt man diesen Menschen sonst nicht. Wir möchten dazu anregen, sich mit den Bekenntnissen der Portraitierten auseinanderzusetzen und damit vielleicht die eigene Position neu zu bestimmen."

In der Ausstellung wenden sich damit Reichenbacher an Reichenbacher. "Nächstes Jahr gehen wir in die Außenwirkung, mit Großplakaten und digital werben wir dann für die Stadt", informierte der City-Manager. Die Idee zu dieser auch an die auf dem Markt stehende Mattheuer-Figur "Gesicht zeigen" erinnernde Aktion hatte er in Prag. Dort hatten Prager für Prag Gesicht gezeigt. "Die Wirkung der Fotos war enorm", sagte der City-Manager. Auch die Reichenbacher sind Blickfänge. Gewerbevereinschef Benedikt Lommer: "Genial. Ich bin gespannt, wie die Reichenbacher reagieren."

Zu den Gesichtern der Open-Air-Galerie gehören etwa Annette Redmer von der Sparkasse Vogtland (Zitattext auf dem Foto: "In Reichenbach gibt es ganz viel Herzlichkeit untereinander."), Hans-Jürgen Peters vom gleichnamigen Schuhgeschäft ("Meine Werkstatt gibt es jetzt bereits seit 1853."), Sieghard Schubert vom gleichnamigen Modegeschäft ("Menschen, die bei uns einkaufen, gehen immer mit einem Lächeln aus dem Laden. Das macht mich glücklich und stolz.") oder Lenka Gionis von Pizza-Heim ("Reichenbach ist mein zu Hause").

Die Bildertürme mit ihren 23 Portaits sind von mit Schotter gefüllten Fässern gegen das Umwehen bei Sturm gesichert. Über die Aktion informiert eine Tafel an einem der Türme, in Geschäften liegen dazu Flyer aus. Das City-Management lädt zur Diskussion auf Facebook und bei Instagram mit dem Hashtag #deinreichenbach ein - und natürlich in der Markt-Galerie selbst.

1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    MichaelSchneider
    17.12.2019

    Für einen Gewerbeverein gehört Marketing zum Geschäft und wenn Geschäftsleute für ihre Produkte werben, ist dies ihr gutes Recht.
    Für eine Stadtverwaltung kann es ebenso vorteilhaft sein, auf sich aufmerksam zu machen, ist dies doch ihre Profession.
    Wenn man jedoch das Gefühl hat, Geschäftsinteressen und Jobkarrieren werden mit einem künstlichen Heimatgefühl überzogen, wirkt es auf mich unehrlich - zumal ich allein hier auf diesen Fotos der Freien Presse nicht nur einen erkannt habe, der zwar in Reichenbach arbeitet, aber nach Feierabend die Stadt wieder verlässt, um anderswo zu Hause zu sein.
    Das ist alles legitim, aber "Wir sind Reichenbach" ist dann doch hoffentlich mehr. In Reichenbach "einen Job zu haben" und in Reichenbach "zu leben und zu Hause zu sein" ist für so manchen eben doch zweierlei.
    Und wenn der City-Manager dann auch noch auf die Portraits mit den Worten aufmerksam macht: "So nah wie hier kommt man diesen Menschen sonst nicht.", dann hätte man es wirklich nicht besser auf den Punkt bringen können.
    Meine Idee: Wann immer ich "Echte Reichenbacher" treffen will, würde ich dann doch lieber statt zu den künstlichen Menschenbildern auf dem Marktplatz einfach ein paar Meter weiter zum Kölbschen Eck oder auch mal in den Alten Friedhof gehen.



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