Angeblich Wolf am Mühlteich gesichtet

Ein Video, aufgenommen in Hauptmannsgrün, das möglicherweise zeigt, wie ein Wolf ein Reh reißt, macht im Internet die Runde. Der Urheber warnt vor voreiligen Schlüssen, ein Wolfsbotschafter pflichtet ihm bei.

Hauptmannsgrün/Heinsdorfergrund.

Unter den Pächtern der Bungalowsiedlung am Mühlteich in Hauptmannsgrün gibt es seit Freitag nur noch ein Thema. Und das ist nicht Corona, sondern die Sichtung eines Wolfes, der dort ein Reh gerissen haben soll. Oder war es ein Hund? Darüber wird seit dem Auftauchen eines Videos in diversen Facebook-Gruppen spekuliert.

Gerd Eisenschmidt, der das Video am Freitag um 11.36 Uhr aufgenommen hat, spricht voller Respekt von der Szene, die sich vor seinen Augen abgespielte. "Ich hatte am Bungalow zu tun und habe plötzlich Kampfgeräusche gehört. Daraufhin bin ich den Weg runter in Richtung Mühlteich und habe auf dem Feld gesehen, was ich dann mit dem Handy gefilmt habe. Das Ganze hat sich in etwa 200 Meter Entfernung abgespielt", berichtet der 62-Jährige.

Anschließend informierte der Mann aus Kirchberg die Polizei, die den Jagdpächter verständige. Der sei am Samstag gekommen und habe das Reh "bzw. was davon übrig war" weggeschafft. Der Jäger sei sich sicher gewesen, dass es sich bei dem Angreifer nicht um einen Wolf, sondern um einen verwilderten Hund gehandelt habe, so Eisenschmidt - und schickt hinterher: "Ich bin noch immer beeindruckt. Das waren wilde Szenen, die sich auf dem Feld abgespielt haben."

Im Übrigen habe er das Video nicht auf Facebook gepostet, sondern lediglich der Polizei übermittelt, als er den Vorfall meldete. "Ob Wolf oder Hund - ich maße mir nicht an, das zu beurteilen. Das Bellen, das man im Video hört, spricht gegen einen Wolf; dagegen sind Hundebesitzer hier aus der Bungalowsiedlung überzeugt, das könne nur ein Wolf gewesen sein."

Unterdessen rät auch Claus Herrmann zu einer unaufgeregten Begutachtung. Der Wolfsbeauftragte, der das wissenschaftliche Monitoring der sächsischen Fachstelle Wolf unterstützt, kennt das Video vom Mühlteich. Allein danach sei kein Urteil möglich, dafür müssten zum Beispiel auch die Überreste des Rehs untersucht werden, sagt der Reichenbacher. Auch der Jagdpächter sei angehalten, eine Untersuchung zu veranlassen. Sein Fachwissen versuchte Claus Hermann übers Wochenende in die Diskussion in den sozialen Netzwerken einzuspeisen. "Herr Eisenschmidt hat alles richtig gemacht. Den Rest müssen die Fachleute klären", so der Wolfsexperte.

 


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