Awo-Zentrale seit zehn Jahren in der umgebauten Horch-Fabrik

Exquisite Oldtimer erinnern an die Geschichte des Gebäudes. Rund herum ist seit 2009 ein ganzes Awo-Viertel entstanden.

Reichenbach.

Exakt heute vor zehn Jahren ist das Betreuungs- und Beratungszentrum "August Horch" der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Vogtland Bereich Reichenbach, Obere Dunkelgasse 45, eröffnet worden.

"Ich weiß das noch wie heute: Es hat so stark geregnet, dass das Wasser in Strömen durch das Festzelt floss", sagt Vereins-Geschäftsführerin Marion Lange. "Um das historische Foto der Horch-Mitarbeiter von 1902 nachzustellen, war extra eine Tribüne vorm Haus aufgebaut worden. Aber es hat so geschüttet, dass sich alle unters Vordach drängten. Dort ist dann auch fotografiert worden", erinnert sich Hans-Werner Schmiedl. Der Horch-Club machte damals Station bei der Einweihung, darunter befanden sich auch Horch-Enkelin Heike Müller aus Winningen mit Kindern und Enkeln sowie der Leiter von Audi-Tradition und des Audi-Museums Ingolstadt, Thomas Frank.


In der ehemaligen Kramerschen Textilfabrik an der Oberen Dunkelgasse hatte Automobilpionier August Horch (1868-1951) zwischen 1902 bis 1904 rund 50 Automobile gebaut. Der Tonneau Express hatte einen Zweizylinder-Ottomotor und brachte es auf 10 bis 12 PS. 1903 folgte das erste deutsche Auto mit einem Vierzylindermotor: das Modell 3 mit einer Leistung 22 PS. Die Belegschaft wuchs auf 90 Mitarbeiter. Da es nicht möglich war, in Reichenbach zu expandieren, zog es August Horch nach Zwickau, wo er später die Weltmarke Audi gründete.

Die Awo erwarb das Gelände mit der Ruine der alten Fabrik im Jahr 2007. Ursprünglich sollte in Stadtzentrumsnähe und unweit des Awo-Pflegezentrums ein Verwaltungsneubau errichtet werden. Dann kam der Gedanke auf, dass dies ja auch im nur rund 50 Meter entfernten Horchgebäude möglich wäre. So konnte man zudem ein geschichtlich interessantes Gebäude vor dem weiteren Verfall und dem Abriss bewahren. Nach unzähligen bürokratischen Hürden erfolgte zwischen November 2007 und Mai 2009 der Umbau in ein Verwaltungs-, Beratungs- und Wohngebäude. Die Kosten beliefen sich auf etwa 2,5 Millionen Euro. Stadt und Land gewährten Förderung.

In dem am 22. Mai 2009 eröffneten Beratungs- und Betreuungszentrum "August Horch" befindet sich seither der Hauptsitz der Awo Vogtland Bereich Reichenbach samt Beratungsdiensten. Zwei Etagen sind altersgerechten Wohnungen vorbehalten, wobei vier der Mieter seit der Eröffnung hier leben. Hinzu kommt der Ausstellungspavillon, der an den Automobilbau erinnert. Neben der Horch 400 Limousine aus dem Horch-Museum Zwickau ist hier aktuell ein Horch 853 Sport-Cabriolet, Baujahr 1937, des Reichenbacher Oldtimer-Fans Hans-Jürgen Löffler zu sehen. Der Achtzylinder-Motor hat fünf Liter Hubraum und 100 PS. "Ich möchte Hans-Jürgen Löffler sowie Olaf Roth vom Oldtimerclub Reichenbach herzlich Dank dafür sagen, dass sie uns immer wieder Leihgaben zur Verfügung stellen", erklärt Marion Lange.

Rund um die Horch-Fabrik ist inzwischen ein ganzes Awo-Viertel entstanden. Vom erweiterten Pflegezentrum "Wohnen am Park" an der Trinitatisgasse über die Kindertagesstätte "August Horch" bis zum Robert-Wilke-Haus.

Das Zehnjährige der umgebauten Horchfabrik soll im Sommer mit einem Grillfest mit den Bewohnern begangen werden. Und im Oktober 2020 steht das Jubiläum 30 Jahre Awo ins Haus.

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