Das Mädchen mit der Wasserschale

Bei Führungen am Reichenbacher Wasserturm wird immer wieder die Frage gestellt, was es mit der Figur über dem Eingang auf sich hat. Gefertigt wurde sie von einem Leipziger Künstler.

Reichenbach.

Bei Führungen in und am Wahrzeichen von Reichenbach, dem Wasserturm, wird immer wieder nach der Bedeutung der Figur am Betriebseingang des Turmes gegenüber dem Stadion gefragt. An dem im Stil der neuen Sachlichkeit von Architekt Rudolf Ladewig entworfenen Bauwerk, das 1926 errichtet und in den Dienst der Wasserversorgung gestellt wurde, befindet sich über der Eingangstür, von der aus die Ausstellung und die Aussichtsplattform erreicht werden kann, die Skulptur eines Mädchens mit einer Wasserschale.

Sie symbolisiert, das Wasser Leben bedeutet. Ähnliche Schmuckelemente sind an weiteren öffentlichen Gebäuden in Reichenbach beim Bau angebracht worden. Doch wer war der Künstler der diese figürlichen Elemente im Art-deco-Stil geschaffen hat? Der 1891 geborene Bildhauer Johannes Konstantin Göldel aus Leipzig hat in der Zusammenarbeit mit Ladewig seine Spuren auch in Reichenbach hinterlassen. Sein Handwerk hatte er von der Bike an als Steinmetz erlernt. Danach studierte er an der Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig. Sein wohl bedeutendes Werk waren die sieben Figuren aus Travertin an der Fassade des 1929 fertiggestellten Messehauses Petershof in Leipzig. Jede der Figuren nimmt Bezug auf Personen, die für den Bau des Gebäudes wichtig waren. So war es auch der jüdische Bankier Hans Kroch aus Leipzig. 1938 ließen die Nazis deshalb alle Figuren entfernen. Erst 1994 ersetzte der Bildhauer Markus Gläser die Figuren als Repliken in Zementguss.

In Reichenbach haben die figürlichen Elemente die Zeiten unbeschadet überstanden. In der fruchtbaren Zusammenarbeit mit Rudolf Ladewig wurden 1927 an der neu gebauten Höheren Textilfachschule und an der im gleichen Jahr eingeweihten Kirche St. Marien Figuren angebracht. Seit 1930 gibt es eine Skulptur über dem Eingangsportal des neu gebauten Krematoriums in Reichenbach. Göldel lebte zeitweilig in Borsdorf bei Leipzig. Dort wurde nach seinem Tod 1946 eine Straße nach ihm benannt. Für Rudolf Ladewig gibt es eine Gedenktafel am Reichenbacher Wasserturm.

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