"Einmalige Möglichkeit" für die Geisterbahn

Die Sanierung des Neuen Rathauses in Plauen startet. Offen ist, wie es mit dem bisher verborgenen Wandbild von Karl-Heinz Adler weiter geht. Das Gemälde ist bei älteren Plauenern berühmt-berüchtigt.

Plauen.

Vollständig freilegen und ganz erhalten? Oder nur den westlich des Eingangs gelegenen Teil konservieren, soweit das die bisherige Planung nicht beeinträchtigt? Der weitere Umgang mit dem bisher unter Sandsteinplatten verborgenen Mosaik des im Vogtland geborenen Künstlers Karlheinz Adler (1927-2018) ist in Gremien des Stadtrates durchaus umstritten. Zudem redet die Denkmalschutzbehörde ein gewichtiges Wort mit.

Der vogtländische Maler und Grafiker Karl-Heinz Adler war mit Pablo Picasso befreundet - und der Eingangsbereich des Rathauses erinnert in der Tat ein wenig an das abstrakte Werk des legendären spanischen Malers, der 1973 gestorben ist. Schrillbunte Farben und psychedelische Formen - nicht umsonst nannten die Plauener ihr Rathaus spöttisch "Geisterbahn".


Kurz vor der für Dienstag geplanten Entscheidung der Plauener Stadträte zu dieser Angelegenheit hat sich die Plauener Restauratorin Sonnhild Müller zu Wort gemeldet, um auf den Wert der ursprünglichen Gestaltung hinzuweisen: "Das 1976 von Karl-Heinz Adler und Friedrich Kracht geschaffene Wandbild in Keramikgranulattechnik ist ein seltenes Beispiel für progressive, nicht angepasste Kunst zu DDR-Zeiten ... Es bedeutete Mut des Plauener Stadtarchitekten, dieses Kunstwerk, das nicht den Vorstellungen des sozialistischen Realismus entsprach, am Rathaus anbringen zu lassen." Mut, der sich jetzt auszahlt. Adler gilt heute immerhin international als herausragender Vertreter der konkret-konstruktiven Kunst.

Sonnhild Müller ist überzeugt: "Die Freilegung und Restaurierung dieses großzügigen, expressiven Kunstwerkes in seiner Gesamtheit ist eine einmalige Möglichkeit, hochwertige Kunst im öffentlichen Raum erlebbar zu machen und führt zu einer Aufwertung des gesamten Gebäudekomplexes. Dann werden sicher in allen Karl-Heinz-Adler-Ausstellungen, von denen noch viele kommen werden, Fotos und Hinweise auf die Stadt Plauen zu finden sein, was zu einer Erhöhung der Attraktivität unserer Stadt beitragen kann." Bisher ausgeführte Restaurierungsproben hätten gezeigt, dass die Wiederherstellung machbar ist: "Es müssen aber baldmöglichst die laufenden Planungen diese Option berücksichtigen, denn ein teilweise zerstörtes Kunstwerk ist ein ganz zerstörtes Kunstwerk." (mit nie)

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