Frage der Ehre: Ex-RAD-Chef macht Dankschreiben öffentlich

Dem abberufenen Geschäftsführer attestiert das Zeugnis von 2017 eine stets zuverlässige Arbeit. Nicht nur das wirft Fragen auf.

Reichenbach.

Sören Polzt-Homuth, der im Herbst 2016 als Geschäftsführer der Regionalen Aufbau- und Dienstleistungsgesellschaft (RAD) Reichenbach abberufen worden war, kämpft um seinen Ruf "als ehrbarer Bürger und guter Kaufmann".

Wenn er in Reichenbach sei, werde er noch immer auf die Sache angesprochen, sagt er. Leider sei der RAD-Aufsichtsrat bis heute der "Aufforderung, die Sache richtig zu stellen, nicht nachgekommen und hat über den tatsächlichen Ausgang der Angelegenheit nicht zutreffend berichtet", erklärte Polzt-Homuth der "Freien Presse".

Torsten Kleditzsch

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Rückblende: Im September 2016 hatte der Oberbürgermeister und RAD-Aufsichtsratschef Raphael Kürzinger (CDU) den seit 2008 tätigen Geschäftsführer beurlaubt. Nach wochenlangem Rätselraten erklärte Kürzinger in einem Pressegespräch, dem RAD-Geschäftsführer werde "ungenügende Leistungserbringung" vorgeworfen. Er habe einen Großauftrag angenommen, der die RAD an die Grenzen der Leistungsfähigkeit gebracht habe. Polzt-Homuth habe die Auftragskalkulation und -organisation "nicht mit der gebotenen Sorgfalt bearbeitet". Im November folgte die Abberufung.

Im Beteiligungsbericht 2016 der Stadt Reichenbach wird für die RAD ein Jahresfehlbetrag von rund 12.000 Euro genannt. Zu lesen ist: "Im ersten Quartal erhielt das Unternehmen den Zuschlag für zwei Großaufträge, die unterschätzt wurden. So konnten von Anfang an die Terminvorgaben nicht eingehalten werden." Ab September sei der Arbeitskräfteeinsatz auf diese Maßnahmen in Chemnitz konzentriert worden. Das habe unter anderem zu Rückständen bei den Leistungen in Reichenbach und einem Umsatzeinbruch in Lengenfeld geführt. Aufsichtsrat und Gesellschafter seien tätig geworden, "um weitergehenden Schaden abzuwenden".

Das Zeugnis und eine Dankurkunde des Aufsichtsrates, 2017 von Raphael Kürzinger unterzeichnet, die Polzt-Homuth der "Freien Presse" mit der Bitte um Rehabilitierung zusandte, sprechen eine andere Sprache. "Für Ihre geleisteten Dienste als Geschäftsführer der RAD (...) danke ich Ihnen, sehr geehrter Herr Polzt-Homuth. Hervorzuheben sind Ihre großen Verdienste bei der Erhöhung des Anteils privater Leistungen in der Gesellschaft sowie die deutlichen Umsatz- und Ertragssteigerungen im Jahr 2015", ist auf der Dankurkunde zu lesen. Im Zeugnis heißt es: "Herr Polzt-Homuth arbeitete stets zuverlässig. Dabei wurde er in jeder Hinsicht der sehr hohen Verantwortung gerecht. (...) Wir waren mit den Leistungen des Herrn Polzt-Homuth stets außerordentlich zufrieden." Ihm werden stets vorbildliches Verhalten, Kompetenz und große Einsatzbereitschaft attestiert.

"Ich habe gut und gerne für Reichenbach gearbeitet", erklärt Sören Polzt-Homuth. Der im Zeugnis genannte Grund für sein Ausscheiden passt nicht zu den Vorwürfen von 2016: "Leider haben wir die Beendigung des Geschäftsführervertrages (...) aussprechen müssen, weil sich mit Eintritt des neuen Aufsichtsratsvorsitzenden die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens ändern wird." Im Handelsregister sucht man diese neue Ausrichtung der RAD bis heute vergebens. Kürzinger bestätigt, dass es keine Änderung gab. Wie geht das zusammen?

"Mit Herrn Polzt-Homuth wurde am 19.10.2017 am Landgericht Zwickau ein Vergleich geschlossen. Alle im Vergleich vereinbarten Regelungen wurden erfüllt", erklärte Kürzinger auf Anfrage. Zeugnis und Dankurkunde gehörten dazu. Im Übrigen verbiete eine Klausel beiden Seiten negative Aussagen gegenüber Dritten, insbesondere der Presse.

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