Frau greift Ehemann mit Baseballschläger an

Eine 26-jährige Vogtländerin muss sich wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten. Trotz der schwerwiegenden Vorwürfe gegen die Mutter von zwei Kindern lässt die Kammer am Ende Milde walten.

Plauen.

Die Vorwürfe, die die Staatsanwaltschaft zu Beginn des Verfahrens vorträgt, klingen ungeheuerlich: Eine junge Frau aus dem Vogtland, Mutter von zwei Kindern, soll im Streit mit ihrem Ehemann zu einem Baseballschläger gegriffen, ihn damit attackiert und verletzt haben. Obendrein soll sie ihm eine glimmende Zigarette auf der Hand ausgedrückt haben und ihm auf offener Straße den Tod gewünscht haben. Was nach einem kinoreifen Drama klingen mag, erweist sich hingegen bei näherer Betrachtung als ein Unglücksstück aus Eifersucht und enttäuschter Liebe.

Der 28-jährige Mann der Angeklagten war offenbar mit der besten Freundin seiner Frau ein Verhältnis eingegangen. Als die davon erfuhr, kam es zur Trennung. Und die schließlich eskalierte an einem Abend Ende März - mitten in der ersten Phase des Corona-Lockdowns.

Das Paar war an jenem Tag vor ihrem Haus auf offener Straße in Streit geraten. Die 26-jährige Ehefrau, die sich am Donnerstag vor dem Amtsgericht in Plauen verantworten musste, soll dabei zunächst ihren Ehemann mit der flachen Hand geschlagen und ihn anschließend bedroht haben. "Ich will, dass du stirbst, ich will, dass du von einem Gerüst fällst", soll sie ihn laut Staatsanwaltschaft angeschrien haben. Dann soll sie eine glimmende Zigarette auf seiner rechten Hand ausgedrückt haben, wodurch das Opfer eine Brandwunde erlitt. Schließlich soll die Frau zu ihrem Auto gelaufen sein, einen Baseballschläger geholt und auf ihren Ex-Partner eingeschlagen haben. Der hatte noch seinen Arm nach oben gerissen, um seinen Kopf zu schützen. An jenem Arm erlitt er Prellungen und einen Bluterguss.

Die Angeklagte, die vor Gericht ohne Anwalt erschienen war und sich somit selbst verteidigte, räumte sowohl den Angriff mit dem Baseballschläger ein als auch den Umstand, ihren Ex-Partner mit der brennenden Zigarette verletzt zu haben. Aber das sei keine Absicht gewesen, erklärte sie, das sei versehentlich passiert. Auch die verbalen Bedrohungen bestritt sie. "Ich habe nicht gesagt, dass ich ihn umbringen will, er ist schließlich der Vater meiner Kinder", beteuerte sie.

Unter Tränen gestand sie auch das Motiv für ihre Attacke: Ihr Mann habe sie mit ihrer besten Freundin betrogen; die habe damals im selben Haus eine Etage über der Familie gewohnt. "Ich war total enttäuscht und verletzt", schilderte die Angeklagte ihre Gefühlslage vor Gericht, um hinzuzufügen, dass das Verhältnis zu ihrem nunmehr getrennt lebenden Ehemann sich mittlerweile normalisiert habe. Er zahle Unterhalt und nehme auch das Umgangsrecht für die beiden Kinder wahr. So war es wenig überraschend, dass das Opfer selbst sein Zeugnisverweigerungsrecht in Anspruch nahm und vor Gericht keine Angaben zur Tat machen wollte.

Das Strafgesetzbuch sieht im Falle einer Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung eine Mindeststrafe von einem halben Jahr Gefängnis vor. Dabei unterscheidet der Gesetzgeber die gefährliche von der herkömmlichen Körperverletzung unter anderem durch das Merkmal, dass sie "mittels einer Waffe oder eines anderen gefährlichen Werkzeugs" erfolgt. Dennoch entschieden sich Gericht und Staatsanwaltschaft, in diesem Fall von einem minder schweren Fall auszugehen.

Für die Angeklagte bedeutete das, dass sie um eine Gefängnisstrafe herumkommt: Die Kammer verurteilte die junge Mutter zu einer Geldstrafe in einer Höhe von 2250 Euro - auch deshalb, weil sie geständig gewesen sei, sich in einer emotionalen Ausnahmesituation befunden habe, bisher nicht vorbestraft war und weil sich die Verletzungen des Opfers letztlich als nicht so schwerwiegend gezeigt hätten.

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