Geteilte Meinung zu Baumfällungen

Fällarbeiten an der Leinweberstraße im Neubau stoßen bei Mietern auf Zustimmung und Ablehnung. Der Vermieter sorgt ab Herbst für neues Grün.

Reichenbach.

Ein Dutzend Baumstümpfe und stark zurückgeschnittene Sträucher an der Leinweberstraße im Reichenbacher Neubau lassen Mieter des neben der Neuber-Grundschule stehenden Blocks aufatmen. Andere Anwohner bezeichnen die Arbeiten im Auftrag der Wohnungsbaugesellschaft Woba als Kahlschlag. So spricht Ute Reißig von Fällungen ohne Augenmaß.

Zwar sei das Fällen einer alten Pappel nachvollziehbar. "Aber bei anderen Bäumen erkenne ich keine Notwendigkeit. Auch warum schöne Forsythien fast bis auf den Boden zurückgeschnitten wurden und hinter dem Block ein alter Wacholder und zwei schöne Flieder weichen mussten sehe ich nicht ein", erzählt die Mieterin. Sie selbst und andere hatten die Bäume beim Einzug 1981 gepflanzt. "Für mich fängt Naturschutz vor der Haustüre an."

Anderen Mietern gehen die Fällungen indes nicht weit genug. Michael Jacob etwa würde es gerne sehen, wenn alle alten Bäume entlang der Straße wegkämen - dabei hat er sie selbst beim Einzug mit gepflanzt. "Damals war ja hier Mondlandschaft. Wir haben uns über das erste Grün gefreut. Es war aber Blödsinn, hochwachsende Bäume zu pflanzen", erzählt der Mieter. Immer wieder würden abbrechende Äste auf Autos fallen, gerade von jetzt gefällten Pappeln und Weiden. Aus Sicht der Woba sei das Fällen auch versicherungsrechtlicher Gründe wegen nachvollziehbar. "Und der alte Wacholder war zwar schön, verdeckte aber den Abwasser-Kontrollschacht." Und Mitbewohner Gunter Schmidt ergänzt: "Wir befürworten keinen Kahlschlag. Aber das hier war keiner, wir freuen uns jetzt auf das neue Grün."

Und das wird im Herbst gepflanzt, sagt Landschaftsgestalterin Heike Albert, die im Woba-Auftrag die Eingriffe in den Gehölzbestand plant. "Wir pflanzen aufgrund der schon ein paar Jahre anhaltenden Trockenheit nur noch im Herbst", erklärt Heike Albert. Geplant sind anstelle der alten, hochgewachsenen Gehölze kleinere Bäume wie Mehlbeere und eine kleinere Linden-Art. "Die kommen mit weniger Wasser aus und sind auch deshalb geeigneter." Die entfernten Bäume seien durch die trockenen Sommer geschädigt gewesen. "Aufgrund immer wieder abfallender Äste der auch überalterten Bäume mussten wir aufgrund der Gefahr für Menschen und Autos handeln." Der Umbau der Bepflanzung sei zudem mit dem Umweltamt abgestimmt und erfolge auch mit dem Ziel eines geringeren Pflegeaufwandes.

Für die zwei nach Mieter-Beschwerden gefällten Flieder an einem Hinterausgang der Blockzeile will die Gestalterin für Ersatz an Ort und Stelle sorgen. "Dort kommen zwei Flieder hin, die nicht so groß wachsen, dafür aber zweimal im Jahr blühen." Auch das Pflanzen von Ziersträuchern wie etwa Felsenbirne ist geplant. Michael Jacob und Gunter Schmidt kündigen diesbezüglich schon mal an: "Wir und andere übernehmen sogar Patenschaften für die Nachpflanzungen."

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