Gottfried Seltmann hinterlässt viele Spuren

Nach langer Krankheit ist der bekannte Lengenfelder verstorben. Die Kultur und die Geschicke der Stadt waren ihm wichtig.

Lengenfeld.

Gottfried Seltmann ist 84-jährig am 29. Dezember verstorben. Er trat hervor als langjähriger Kulturbundleiter, einst als Lehrer, als Moderator der Adventsmärkte und der Lengenfelder Nachmittage des Parkfestes oder als Mitglied des Fördervereins der Oberschule. Er war Mitglied des Parkfestausschusses, Redakteur des Lengenfelder Anzeigers, Gründungsmitglied der Bürgerinitiative Lengenfeld und im Wendeherbst 1989 Mitglied im Sprecherrat des Runden Tisches.

Seltmann kam als jüngstes von sieben Kindern 1934 in Crimmitschau in einer Pfarrersfamilie zur Welt. Nach dem frühen Tod seiner Eltern wuchsen er und seine Geschwister bei einer Tante in Treuen auf. 1952 kam Seltmann als Lehrer nach Lengenfeld. Seit 1993 war er mit Erika Seltmann verheiratet. Er erhielt hohe Auszeichnungen für sein kulturelles Engagement vor und nach der Wende: unter anderem die Johannes-R.-Becher-Medaille in Gold, in der DDR die höchsten Auszeichnung des Kulturbundes, später die Bürgermedaille Lengenfelds und die Ehrennadel des Kulturbundes. Er erhielt 2005 die Sächsische Verfassungsmedaille, mit der der Landtagspräsident seit 1997 Bürger ehrt, die sich um die freiheitliche demokratische Entwicklung des Freistaates verdient gemacht haben.

Der Lengenfelder Altbürgermeister Friedhelm Wappler: "Er hat an das Gute geglaubt, auch an das Gute in der DDR und hat sich dafür eingesetzt. Als er erkannt hat, dass auch die neue Zeit viel Gutes birgt und sich manche Dinge aus der Vergangenheit als falsch herausgestellt haben, war er bereit, sich auf das Neue einzulassen. Für ihn war das teils ein schmerzlicher Prozess. Ich habe ihn immer dafür bewundert, dass er sich so bedingungslos für das eingesetzt hat, was er für richtig hielt." So ist es auch zu erklären, dass er Mitglied im Sprecherrat des Runden Tisches und Moderator war, eine Aufgabe, die ihm besonders lag."

Großen Einsatz für die Sache, das bescheinigen ihm weitere Weggefährten, so Hans Preßler, stellvertretender Vorsitzender der Bürgerinitiative Lengenfeld: "Gottfried Seltmann war mein Lehrer. Ich habe ihn aus meiner Kindheit als akkuraten und engagierten Pädagogen in Erinnerung, der viel mit uns unternommen hat." Seltmanns eigene Erinnerung an den Beginn seiner Lehrertätigkeit schilderte er anlässlich seines 80. Geburtstages: Die Kinder der dritten Klasse hätten Späße mit dem 18-jährigen Junglehrer ohne Ausbildung gemacht, den sie auf höchstens 17 Jahre schätzten. Seine Ausbildung holte er im Fernstudium nach. Seinem Wunschberuf, Lehrer, blieb er 40 Jahre, bis zum vorzeitigen Eintritt ins Rentenalter, 1992 treu.

Hans Preßler, der erst Schüler bei Gottfried Seltmann war, kam später, so wie Seltmann einst selbst, als Junglehrer an die heutige Lengenfelder Oberschule: "Er hat mich damals sehr unterstützt. Später waren wir viele Jahre Kollegen." An die damals viel gerühmte Arbeitsgemeinschaft "Junge Rezitatoren", die Gottfried Seltmann als bekennender Goethe-Fan ins Leben rief, erinnern sich Lehrer wie Schüler bis heute.

Dem Kulturbund hat er seinen Stempel aufgedrückt. Viele Prominente, Autoren, Wissenschaftler, Weltenbummler und Künstler berichteten vor dem Publikum. Der Kulturbund war Seltmanns zweite Heimat. Viele Jahre läuteten die Kulturbundmitglieder unter seiner Regie kurz vor dem ersten Advent mit dem Stollenanschnitt die Weihnachtszeit ein. Mitglied von 1950 an und sein Vorsitzender von 1988 bis 2013, blieb er bis zu seinem Tod als Ehrenvorsitzende dem Bund treu.

Die positive Entwicklung verdanke die BIL auch ihrem Gründungsmitglied Gottfried Seltmann, sagt Hans Preßler. Auch für Bürgermeister Volker Bachmann (Pro Lengenfeld) ist eine Lengenfelder Persönlichkeit gegangen, die er seit seiner Schulzeit kannte und schätzte: "Er war ein hervorragender Organisator und Moderator. Ich werde ihn in guter Erinnerung behalten."

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.