Große Welt auf kleiner Bühne

Das 27. Puppenspielfest auf Burg Mylau ist Geschichte. Die Vorführungen sorgten nicht nur für Spaß und Staunen. Manche war lehrreich für das weitere Leben.

Mylau.

Mit dem Stück "Puppen spiel'n" von Uta Davids aus Pulsnitz und dem Märchenspiel "Kasper und das Niesteufelchen" ist das 27. Puppenspielfest auf Burg Mylau zu Ende gegangen. In zwölf Veranstaltungen ließen sieben Spieler die Puppen in zehn verschiedenen Stücken tanzen. Bis auf die Erwachsenenveranstaltung am 8. Februar waren alle Auftritte gut besucht. Dafür sorgten Omas mit ihren Enkeln, die Dauerkarten kauften und im Laufe der Woche zu guten Bekannten der Damen und Herren am Einlass wurden. Hortgruppen vertrieben sich die Ferienzeit in der Burg, Kindergartenkinder verlegten ihre Beschäftigungsstunde zum Puppenspielfest.

An Beschäftigung war allerhand möglich, denn die Puppenspieler bezogen die Besucher in ihr Spiel ein. Sie gestatteten im Anschluss einen Blick hinter die Kulissen und beantworteten die neugierigen Fragen der Zwerge. Eine anstrengende Woche ging auch für Thomas Petzoldt zu Ende, der sich dem Förderverein Burg Mylau und dem Museum als freiwilliger Helfer und als das sprichwörtliche Mädchen für alles zur Verfügung gestellt hatte. "Ich habe die Treppen nicht gezählt", sagte er. Doch es müssen viele zusammen gekommen sein, um am ersten Wochenende den Ratssaal und an den übrigen Tagen den Barocksaal mit den Bühnen zu bestücken. Einzelkämpfern wie Puppenspielerin Susanne Bröhmel war die Hilfe herzlich willkommen. Auch das traditionelle Marionettentheater Dombrowsky war für die Unterstützung dankbar, zumal sich der Ratssaal noch ein wenig weiter oben befindet als der Barocksaal. Bei den Puppenspielern muss jeder Handgriff sitzen. Zwischen Ankunft und Beginn der Veranstaltung liegen oft nur wenige Stunden.

Bei Susanne Bröhmel waren alle Puppen zur rechten Zeit am rechten Ort, das tapfere Schneiderlein, die Prinzessin, die Riesen, der König und die Tiere. Mit Tieren kann man Kinder immer für sich gewinnen. Nach der Aufführung von "Das tapfere Schneiderlein" unterhielten sich die Kinder darüber, was ihnen am besten gefallen hat. Das Einhorn und das Wildschwein standen hoch im Kurs. Bei einigen war es jedoch auch der getigerte Burgkater Karli, den Thomas Petzoldt vor Beginn der Aufführung aus dem Saal trug, nachdem er mit ausreichend Streicheleinheiten der Kinder verwöhnt worden war. Susanne Bröhmel erklärte vor dem Stück Begriffe, die vielleicht nicht jedem Kind so geläufig sind. Auf die Frage, was ein Schneider macht, kam immerhin die Antwort "schneiden". So weit so gut. Was der Schneider schneidet, darüber gingen die Meinungen auseinander. "Knoblauch", antwortete ein Kind und hatte die Lacher auf seiner Seite - vor allem, als auf die Frage, was denn auf des Schneiders Brot war, auch "Knoblauch" erklang. Das Wort "tapfer" war vielen unbekannt. Manche meinten, Tapferkeit hätte etwas mit Größe zu tun. Doch groß, das waren nur die Riesen. Und die Fliegen sitzen nicht auf dem Dach, wie ein Kind rief, sondern auf dem Mus-Brot.

Für Eltern und Großeltern sind die Märchenaufführungen eine gute Gelegenheit, Unklarheiten ganz traditionell mit dem Märchenbuch aufzuarbeiten, denn wie schon in den Vorjahren waren die bekannten Märchen wie "Der gestiefelte Kater", "Frau Holle" oder "Rotkäppchen" die Renner für den Nachwuchs.


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