Hollerung: Jahrelanger Kampf um Nachwuchs zahlt sich aus

In der Reichenbacher Traditionsfirma haben gestern gleich vier Lehrlinge angefangen. Die Personalchefin sagt: Das Handwerk ist für junge Leute wieder attraktiv.

Reichenbach.

Seit 1991 hat das Reichenbacher Familienunternehmen Hollerung 20 Lehrlinge ausgebildet. Steinmetze und Stuckateure. "In letzter Zeit hatten wir eine Durststrecke. Wir haben fünf Jahre lang um Nachwuchs gekämpft, zum Beispiel an Schulen und auf Messen. Das hat sich ausgezahlt. Wir spüren, hier und anderswo: Das Handwerk ist wieder für junge Leute attraktiv." Personalchefin Claudia Hollerung hatte gestern allen Grund zur Freude. Gleich vier neue Lehrlinge versammelten sich auf dem Betriebshof an der Agnes-Löscher-Straße und schwärmten auf ihre ersten Baustellen aus: Zur Restaurierung historischen Bauguts der einstigen Textilfirma Falgard Falkenstein und zur Hustenburg-Villa Reichenbach, die ein Unternehmer sanieren lässt.

Mit den vier neuen - drei Steinmetze und ein Stuckateur - bildet das 40 Mitarbeiter starke Unternehmen derzeit sieben Lehrlinge aus. Dabei sind die neuen mit ihrer Berufswahl keiner Schnapsidee aufgesessen. Alle haben über Praktika in dem anspruchsvollen Handwerker-Alltag erste Erfahrungen gesammelt und gestern unisono auf die Frage geantwortet, warum sie sich nicht etwa für eine Kfz-Lehre in Mosel beworben haben: "Das kann ja jeder."

Solche selbstbewussten Worte hört Steffen Lange gerne. Der 30-jährige Reichenbacher war in diesem Jahr als bester sächsischer Steinmetz-Lehrling ein besonderes Aushängeschild für Hollerung. Der Neu-Geselle brachte gestern auf den Punkt, was für junge Leute ein Reiz am Ergreifen dieses Berufs ist: "Du schaffst etwas, du siehst am Ende der Woche, wie sich ein unförmiger Klumpen unter deinen Händen in etwas Einmaliges verwandelt hat." In diese Erfolgsspur gefunden hat Steffen Lange auf Umwegen; gelernt hatte er Einzelhandelskaufmann. "Ich hatte das genommen, was gerade frei war. Erst später kam ich dahinter, was ich wirklich wollte." In drei Jahren strebt der Seiteneinsteiger eine Meisterausbildung an. "Aber schon jetzt ist die Fortbildung für mich das A und O."

Auf solche Lebensläufe kann jede Firma bauen, für den in dritter Generation geführten Steinmetzbetrieb mit bundesweiten Renommierobjekten wie etwa die Berliner Siegessäule sind Zugpferde enorm wichtig. "Steinmetz, das ist ein Beruf, den nicht jeder ausüben will und kann", sagt Steffen Lange. Eine starke Physis bei Wind und Wetter ist das eine. "Zum anderen ist auch der Kopf ganz schön gefordert, ohne räumliches Denken geht da nichts. Ich sag mir bei schwierigeren Aufgaben immer: Du hast nur einen Versuch, der muss sitzen." Wie bei seinem Gesellenstück, zwei in 48 Stunden aus Sandsteinblöcken akkurat gehauenen Füßen für eine Steinbank.

Aktuell sind die Vogtländer etwa in Gießen, Potsdam, Berlin und Hamburg auf Achse - an der Elbe arbeitet Hollerung bei einem Prestigeobjekt der Hansestadt mit. In bester Lage werden gerade die Stadthöfe in irrem Millionenaufwand im Hinblick auf eine Eröffnung als Flanier-Quartier 2017 saniert. Claudia Hollerung: "Wir sind aber nicht nur in den großen Städten am Start, sondern arbeiten auch an kleineren Aufträgen in der Region." Und in der präsentiert sich Hollerung auch wieder als Ausbildungsbetrieb. Zum Beispiel beim Tag des offenen Denkmals am 11. September in der Falgard-Villa oder beim Tag der Bildung am 17. September an der WHZ Zwickau. "Und wer will, meldet sich bei uns einfach für ein Schülerpraktikum an", sagt die Personalchefin.

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1Kommentare
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  • 0
    1
    aussaugerges
    04.09.2016

    Das ist schon ein Schlitzohr,hat sich gleich nach der Wende viele billige CS Kräfte geholt.



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