Junge Geigerinnen mit Strahlkraft

Die Vogtland Philharmonie spielte unter Chefdirigent Dorian Keilhack ihr zweites Sinfoniekonzert im Neuberinhaus. Die Geige stand im Mittelpunkt.

Reichenbach.

Die Geige war es, die trotz ihrer unscheinbaren Größe zu größter Vielfalt in der Lage ist, die am Dienstagabend im Mittelpunkt stand. Die Vogtland Philharmonie spielte unter dem neuen Chefdirigenten Dorian Keilhack ihr zweites Sinfoniekonzert im Neuberinhaus, und anlässlich des 200. Geburtstages des einst berühmten Geigers und Komponisten Henri Vieuxtemps spielten die jungen Geigerinnen Sujung Yun und Chiara-Marie Gaebelein gleich zwei seiner Werke.

Nachdem das Orchester sich eher dürftig mit Robert Schumanns Ouvertüre zu Goethes Hermann und Dorothea op. 136 eingespielt hatte, öffnete sich der Vorhang für Sujung Yun, die Vieuxtemps Fantasie für Violine und Orchester La sentimentale op. 9b mit schmelzend-schönem, dunklem Klang darbot. Auch in höchsten Lagen sicher intonierend, fehlte ihr zwar zuweilen die Präsenz, in Keilhacks differenzierten Orchesterpartien nicht unterzugehen, doch ihre Freude an der kompositorischen Vielfalt des viergeteilten Stückes bot reichlich Möglichkeit, in den anspruchsvollen Passagen zu überzeugen.

Seine Uraufführung erlebte dann der 1. Satz des Violinkonzertes Nr. 8 h-Moll op. 59, das vom Vieuxtemps als Fragment hinterlassen wurde. Die Instrumentierung durch den jungen Kompositionsstudenten Christoph Baumgarten findet viele Wege, die Ideen des Fragments in großer klanglicher Vielfalt im Orchester zu verteilen, und Keilhack ebnete kraftvoll und packend den Weg für Chiara-Marie Gaebelein. Mit großer Bühnenpräsenz und strahlendem Klang präsentierte diese die Themen des Allegros, und ihre dynamische Bandbreite wurde vom Orchester immer flexibel aufgenommen. Thematisch durchdrungene Stellen ebenso wie Solostellen wurden von Gaebelein immer mit Nachdruck gespielt, wenngleich ihre Strahlkraft nicht die seltenen Unsauberkeiten zu verdecken wusste.

Nach diesen zwei grundverschiedenen und eben darin überzeugend gespielten Solostücken erklang zum Schluss Antonín Dvoráks Sinfonie Nr. 8 G-Dur op. 88. Keilhack spornte das Orchester doch noch zur Höchstform an und ging stets zielstrebig mit den vielen Themen um. Vom fragmentarischen Auflösen bis hin zur pompösen Ekstase erklangen zahlreiche Nuancen, die im wilden Finalsatz zu einem beeindruckenden Ganzen zusammenkamen.

Zu welchen Klängen die Geige und zu welchen Fähigkeiten die Vogtland Philharmonie in der Lage ist, war nach diesem Konzert allen bewusst. Mit Vieuxtemps, Yun und Gaebelein standen drei Namen auf dem Programm, deren Fähigkeiten gerne öfter erklingen dürfen.

Unser Autor Philipp Etzel ist 21 Jahre alt, studiert an der Musikhochschule "Franz Liszt" in Weimar im Hauptfach Musikwissenschaft sowie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena im Nebenfach Germanistik. Hobbymäßig spielt er Saxophon in der in Weimar ansässigen Salsa-Band dileTanto,

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