Kaiserburg wird zu Kreativ-Ort

Nadine Holesch verstärkt das Museumsteam auf Burg Mylau. Sie wird vor allem mit Schülern arbeiten und Ausstellungen auf die Beine stellen.

Mylau.

Kater Karli hat es Nadine Holesch angetan. Das schnurrende Fellknäuel, das nach Kaiser Karl IV. benannt ist, kam im Sommer fast zeitgleich mit ihr ins Museum auf Burg Mylau. Als die langjährige Museumsmitarbeiterin Christine Semeleit in den wohlverdienten Ruhestand gegangen war, bewarb sich Nadine Holesch auf die ausgeschriebene Stelle, setzte sich gegen andere Bewerber durch und trat am 1. Juli 2019 den neuen Job in Mylau an. Museumsleiterin Sina Klausnitz freut sich über die neue Mitstreiterin: "Mit ihr können wir Begonnenes weiterführen sowie neue Ideen und Projekte verwirklichen."

Nadine Holesch ist in Mülsen St. Niclas zu Hause. Die 37-Jährige hat Archäologie studiert, arbeitete nach dem Studium bei einer privaten Grabungsfirma in Bayern, später beim Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle (Saale) und im Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie von Sachsen-Anhalt. Sie nahm zweieinhalb Jahre an einem Volontärprogramm für Museen teil und konzipierte die archäologische Sammlung im Nordhäuser Museum Tabakspeicher neu. Zudem gehört sie dem Vorstand der Landesgruppe Sachsen-Anhalt der Deutschen Burgenvereinigung an.

Was sie von der rein wissenschaftlichen Tätigkeit in die praktische Museumsarbeit führte, begründet sie so: "Die Kreativität hat mir gefehlt. Im Museum lässt sich beides kombinieren." Ihr Eindruck nach den ersten Monaten in Mylau: "Es passt. Die Kollegen sind supernett. Und mental sind wie auf einer Wellenlänge." Auch wenn an mancher Ecke im Städtchen die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Museumspädagogik, Öffentlichkeitsarbeit und Ausstellungen sind die drei großen Bereiche, in denen sie tätig ist.

"Wir wollen in Zukunft mit unserem Museum in der alten Kaiserburg politischer werden und uns an aktuelle Themen heften", blickt Museumsleiterin Sina Klausnitz voraus. Am 3. Dezember wird auf der Burg die Ausstellung "1989 Zeitenwende: Osteuropa zwischen Friedlicher Revolution und Gewalt", eine Wanderausstellung der Landeszentrale für politische Bildung mit Bildern von Mirko Kzizanovic und Texten von Tim Buchen, eröffnet. Und von April bis November 2020 wird flankierend zum Jahr der Industriekultur die Sonderausstellung "Spindeln, Webstühle und Visionen - Textilindustrie im Vogtland" gezeigt. Das Ticket zur sächsischen Landesausstellung "Boom. 500 Jahre Industriekultur in Sachsen" wird auch den Besuch in der Mylauer Sonderschau ermöglichen.

"Damit verwoben werden zwei Schülerprojekte", sagt Nadine Holesch. Zum einen "40 Jahre Global Player!?", wobei die Schüler Zeitzeugen aus der DDR-Textilindustrie interviewen und die Geschichten mit historische Fotos bebildern werden. Zum anderen das Projekt "Fast Fashion", bei dem es um den umweltschädlichen Trend zu Wegwerfmode geht. Die Ergebnisse sollen in Vorträge und Präsentationen münden.

Für 2021 schwebt den Museumsmacherinnen ein lebendiges Schaubild mittelalterlichern Handwerks auf Burg Mylau vor. Mit authentischen Techniken aus jener Zeit.

Nebenbei will die Neue auf der Burg weiter an ihrer Doktorarbeit zur Steinzeugtechnik in Mittel- und Ostdeutschland arbeiten. "Ich brenne selbst zweimal im Jahr Keramik in einem rekonstruierten Steinzeugofen aus dem 14. Jahrhundert in Fredelsloh bei Göttingen", erzählt Nadine Holesch. Einige der exklusiven, dünnwandigen Gefäße werden übrigens bei der Burgweihnacht zu haben sein, die vom 30. November bis 1. Dezember in Mylau steigt.

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