Landwirtschaft aus Leidenschaft

Der letzte Schultag am Reichenbacher BSZ für 30 angehende Landwirte war wieder ein Tag des Bekenntnisses - das von Lehrling Ricky Mirbach geht unter die Haut.

Reichenbach.

Viele Worte macht Ricky Mirbach nicht, fragt man den Noch-Lehrling, warum er gerade diesen Beruf ergriffen hat. Der 19-Jährige aus Mittelsachsen hebt nur seinen rechten Arm, schaut stolz in die Kamera und sagt: "Das ist mein Lebenstraum." Diese Aussage und das auf dem Arm unter die Haut gehende Tattoo-Bekenntnis "Landwirtschaft aus Leidenschaft" steht stellvertretend für den Anspruch vieler der 30 angehenden Landwirte, die am gestrigen Freitag am Reichenbacher BSZ ihren letzten Schultag gefeiert haben - wie sich das gehört mit einem diesmal von Schulleiter Tasso Börner im Trabant P 60 angeführten Traktoren-Korso durch die Stadt bis zum Foto-Shooting an der Göltzschtalbrücke.

"Ein guter Jahrgang. Leistungsstark, aber nicht immer fleißig. Da war noch mehr drin. Aber die gehen alle ihren Weg", sagt Lehrerin Uta Lenke und genießt die Jahr für Jahr halb Reichenbach in den Ausnahmezustand versetzende Berufsstands-Hymne aus Motorengedröhn und Hupkonzert. Als sich der PS-starke Trupp an der Berufsschule in Bewegung setzt, schaut auch Lehrer Rainer Peukert den blitzeblank gewienerten und mit Gestecken aus Getreide und Feldblumen geschmückten Traktoren ein wenig wehmütig hinterher. "Vor den Prüfungen jetzt haben alle richtig Gas gegeben. Wenn's drauf ankommt, kann man auf sie zählen."


So wie auf Rebecca Pfeifer. Die angehende Landwirtin aus Lauenhain hängt an ihre drei Jahre in Reichenbach noch eine Wirtschafter-Ausbildung in Plauen ran, dann geht's im vogtländischen Christgrün in die Praxis. "Warum Landwirtin? Ich kenne das von zu Hause aus gar nicht anders. Der Beruf ist so vielfältig, außerdem hat man mit Tieren zu tun und ist immer draußen in der Natur und an der frischen Luft."

Wenn Ricky Mirbach solche Liebeserklärungen hört, geht ihm das Herz auf. Im Alter von zwei Jahren saß der Spross einer Bauernfamilie (natürlich unter Aufsicht von Vater Uwe) das erste Mal am Lenkrad eines Traktors. "Das ist meine früheste Erinnerung." Eine prägende. "Land bewirtschaften, mit Tieren umgehen, für gute, regional erzeugte Lebensmittel sorgen, das ist mein Anspruch." Das macht der Tattoo-Bauer (das nächste ist für den Rücken geplant: "Liebe vergeht, Hektar besteht") zunächst in der Agrargenossenschaft Königsfeld. Perspektivisch will Ricky aber seine eigene Scholle bewirtschaften. Dazu baut er gerade mit der Freundin Tina (die Tierwirtin ist) den Vierseithof von Großvater Rudi aus. Sechs Hektar Land gehören dazu. "Aber das wird mehr, wir kaufen dazu." Tiere gibt es auch schon. Hühner, Enten und vier Jungbullen. "Das ist ein Anfang", sagt Ricky, der immer gerne an die Reichenbacher Berufsschule zurückdenken wird. "Wenn mich einer fragt, ob er diesen Beruf wählen soll oder nicht, dann sage ich: Im Internet steht so viel Mist. Sprich mit den Fachleuten. Auch mit denen von dieser Schule, die Ausbildung hier ist top."

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