Mylauer Weinleithe: Müll soll weg, Platz für seltene Tiere her

Naturschützer lassen in Mylau die Hundsrosen erblühen: Der Zwickauer Nabu hat das Gelände gekauft und Altlasten übernehmen müssen.

Mylau.

Ein Gutachten vom Dezember bestätigt der Regionalgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) Zwickau, was sie schon wusste: Die Weinleithe in Mylau, ein ehemaliger Steinbruch, beherbergt viele Pflanzenarten und Biotoptypen, die auf der Sächsischen Roten Liste der gefährdeten Organismen stehen. Das 2,5 Hektar große Areal bietet Insekten, Kriechtieren und Vögeln einen Lebensraum. Die Regionalgruppe hat den alten Steinbruch vor zwei Jahren gekauft und versucht seither, das Flächennaturdenkmal zu verbessern, die Arten zu erfassen und abgelagerten Müll zu beseitigen.

Laut Vorstandsmitglied Mario Fickel gibt es jede Menge zu tun. Die Weinleithe sei dem Nabu vor zwei Jahren von einem Ehepaar aus den alten Bundesländern zum Kauf angeboten worden: "Das Gelände war schon zu DDR-Zeiten ein Naturschutzgebiet. Den Eigentümern war es wichtig, einen Käufer zu finden, der im Sinne des Naturschutzes aktiv wird." Das von einem bayrischen Fachbüro angefertigte Gutachten bestätigt nicht nur den Artenreichtum des Schutzgebietes, sondern empfiehlt, Überreste menschlichen Tuns zu entfernen. Daran arbeiten die ehrenamtlichen Naturschützer. Fickel: "Das ist aber auch eine Kostenfrage. Es stehen alte, verfallene Stallgebäude auf dem Gelände."

Fortschritte konnten die Naturschützer schon erzielen: Teilweise räumten sie Müll weg. Das ist an einigen Stellen eine schwierige Aufgabe. Das Steinbruchgelände ist nur über eine Schrebergartenanlage mit Fahrzeugen erreichbar. Mancher Zeitgenosse entsorgte seine Abfälle, indem er sie über die Abbruchkante des Steinbruches fallen ließ.

Den Helfern des Nabus gelang es, die wertvollen Magerwiesen freizuschneiden. Fickel: "Als wir hier das erste Mal mit der Motorsense durch sind, war das nicht ungefährlich. Niemand wusste, was zwischen dem Gras alles liegt. Sogar eine alte Stromleitung kam zum Vorschein, von der wir anfänglich nicht wussten, ob sie unter Spannung steht." Die jährliche Wiesenmahd sei zum Erhalt des Flächennaturdenkmals wichtig. "Diese Wiesenarten mit ihrem Pflanzenreichtum gibt es nur selten. Wenn wir sie nicht pflegen, wachsen sie zu und verbuschen." Zahlreiche besondere Arten fanden die Gutachter, darunter wilden Thymian, Flockenblumen, den Knöllchen-Steinbrech, Fingerkraut, Bergklee, Wucherblume, milden Mauerpfeffer und Europäische Eibe.

Auch die Gebüsche sind artenreich. Die Gutachter dokumentierten Schlehe, Holunder, Blutroten Hartriegel und Hundsrosen. Die Nabu-Helfer vermuten auch seltene Tierarten. So sei der Uhu gesichtet worden, berichten Anlieger. Auch Glattnattern könnten vorkommen oder Eidechsen. Um die Felswand für Arten wie den Uhu als Lebensraum zu erhalten, muss ein Teil der Gehölze entfernt werden, damit Vögel die Wand anfliegen können. Um die im Steinbruch vorkommenden Vogelarten zu erfassen, will der Nabu vogtländische Ornithologen hinzuzuziehen. Auch mit der Reuther Ortsgruppe des Nabu arbeiten die Zwickauer zusammen und das nicht erst seit dem Kauf der Weinleithe.


Hinweis auf Weinanbau

Der Begriff Weinleithe deutet darauf hin, dass an dem Hang früher Wein angebaut wurde, vermutet Mario Fickel vom Nabu Zwickau. Ein älterer Herr, der daneben einen Kleingarten bewirtschaftet, hat dort tatsächlich einige Weinstöcke stehen. "Er hat mir von dem früheren Weinanbau erzählt", so Fickel. Michael Heuck, Museumsleiter aus Lengenfeld: "Das Wort Leithe stammt aus dem Althochdeutschen. Es kommt vom Wort Lita, das bedeutet Berghang." Die Erklärung findet sich im Allgemeinen Haushaltslexikon der Gebrüder Grimm aus dem Jahr 1749. (sia)


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.