Netzschkauer Königsschießen mit einem Schuss Humor

Die Privilegierte Schützengesellschaft ermittelt am Sonntag ein neues Schützenpaar. Bei diesem vorläufigen Höhepunkt eines regen Vereinslebens geht's Corona an den Kragen.

Netzschkau.

Am Sonntag leisten die Schützen der Privilegierten Schützengesellschaft Netzschkau ihren Beitrag bei der Bekämpfung von Corona - nehmen die Teilnehmer des am Vormittag auf der 25-Meterbahn im Schützenhaus über die Bühne gehenden Königsschießens doch eine Virus-Abbildung auf der Königsscheibe ins Visier. "Oft hat die Gestaltung der Scheiben ja einen aktuellen Bezug. In diesen Zeiten lag das halt nahe. Ein Schuss Humor sollte schon dabei sein, das macht Vereinsleben ja aus", sagt Heiko Thoß, der mit seiner Frau Ina als Titelverteidiger ins Rennen um den Titel geht. Und Humor, da ist sich das Paar mit Vereinschef Norbert Liebich einig, stärkt das Immunsystem - auch im Kampf gegen Corona.

Insofern ist der 9.45 Uhr beginnende Wettkampf mit nur einem finalen Schuss reinste Medizin. Auf die Jagd nach Virus und Krone gehen jene zehn Männer, die sich beim Vorschießen durchgesetzt hatten. Komplettiert wird die Konkurrenz von den Frauen des knapp 50 Mitglieder zählenden Vereins. "Da wir nur sieben Frauen sind, haben wir auf eine Quali verzichtet", sagt Sandra Witkiewicz - die als Ex-Scheibenkönigin weiß, wie dem starken Geschlecht beizukommen ist. "Beim Wettkampf herrscht schon Konkurrenz, sonst steht natürlich die Geselligkeit im Mittelpunkt."

Und das seit 1764. So lange gibt es das privilegierte Brauchtum, das sich einst aus einer Bürgerwehr heraus entwickelt hatte. Unterbrochen wurde das zünftige Vereinsleben nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Schützen auf Beschluss der Sowjets enteignet worden waren. Damals zählte der Verein mehr als 100 Mitglieder. Den Neustart wagten 1991 immerhin 30 Schützen. Seither bestimmen neben dem Königsschießen etwa Ausfahrten, Schützenball oder Treffen mit befreundeten Vereinen wie denen aus Lengenfeld, Neumark oder Kleingera das Vereinsleben. Gesellig und herzlich geht es auch bei den Wettkämpfen zu, etwa beim Kampf um den Leupoldt-Pokal. Gute Seele bei Vergleichen oder Training ist Gabi Wolf, die als Schützin und Wirtin im Vereinszimmer für Klausen-Atmosphäre sorgt.

Sandra Witkiewicz: "Beim Training sind jederzeit Neugierige willkommen, Vereinsnachwuchs brauchen wir." Derzeit reicht die Altersspanne der Mitglieder von 30 bis 80 Jahre. Wer Interesse, eine ruhige Hand und einen Schuss Humor mitbringt, ist immer montags beim 18.30 Uhr startenden Training gern gesehen. Auch das amtierende Königspaar hat so angefangen. Heiko Thoß: "Wir rechnen uns für Sonntag durchaus gute Chancen aus. Letztlich braucht man aber auch eine Portion Glück." Ob nun beim Königsschießen oder bei der Suche nach dem richtigen Mittel gegen Corona.

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