Neubau-Mieter verärgert über erneute Baumfällungen

Diesmal stehen Fällarbeiten der Wohnungsbaugenossenschaft in der Kritik. Tenor: Noch so ein Winter, dann steht nichts mehr. Der Vermieter spricht von notwendigen Eingriffen.

Reichenbach.

Nachdem jüngst Mieter der Wohnungsbaugesellschaft Woba das Fällen mehrerer großer Bäume an Woba-Blöcken kritisiert hatten, regt sich erneut Widerspruch zu Fällarbeiten im Reichenbacher Neubaugebiet West. "Es gibt Leute, die sagen, noch so ein milder Winter, und hier steht nichts mehr. Statt Schnee zu schieben wird gefällt", sagt ein Mieter, der das kürzlich erfolgte Absägen großer Bäume im Bereich Julius-Mosen-Straße/Leinweberstraße moniert.

Dort wurden jüngst in Regie der Wohnungsbaugenossenschaft mehrere, an den Blöcken stehende Fichten, Linden und Birken gefällt. "Die Mieter haben diese Bäume beim Einzug in den Neubau selbst gepflanzt. Jetzt werden sie einfach gefällt, ohne dass über das Vorhaben mit den Mieter geredet wird, das ist an Selbstherrlichkeit nicht zu übertreffen", sagt ein Mieter, der nicht namentlich in Erscheinung treten will. "Das ist jetzt seit dem Vorjahr die dritte Fällwelle, es wird langsam kahl hier, das Vogelgezwitscher erstirbt, der Schatten der Bäume fehlt", sagt der Mann. Als der Plattenbau zu DDR-Zeiten hochgezogen wurde, sprach der Volksmund angesichts des nur spärlich bewachsenen Gebiets von Golanhöhen. "Offenbar soll dieser Zustand wieder hergestellt werden."

Soll er nicht, betonen die beiden großen Vermieter. Nachdem die Woba bereits über das Nachpflanzen von neuen Bäumen und Ziergrün in sogar noch größerer Anzahl informiert hatte, kündigt nun auch die Genossenschaft Ersatz an. "Natürlich pflanzen wir neu", sagt Marco Luckner, Geschäftsführender Vorstand der Genossenschaft. Die angesprochenen Fällarbeiten seien jedoch unumgänglich gewesen. "Da wird nichts willkürlich und unbedacht gemacht. Es werden Bäume entnommen, die eine Gefahr darstellen beziehungsweise zu einer Gefahr werden können. Wenn Bäume zu nah am Haus stehen, beeinträchtigt das auch die Wohnqualität. Da gehen die Meinungen eben auseinander." Einerseits gäbe es Mieter, die offenbar alles beim alten belassen wollten. Anderen gingen Pflegearbeiten dagegen nicht weit genug. Wenn Bäume jedoch zur Gefahr würden, müsse man eingreifen. So sei eine große gefällte Fichte an der Julius-Mosen-Straße schräg aus dem Hang gewachsen. "Die Wurzeln greifen dann nicht mehr richtig, es besteht Sturzgefahr", sagt der Genossenschafts-Chef.

Um über die Art und Weise der Eingriffe in das Wohngebiets-Grün mit den Mietern ins Gespräch zu kommen, hatte die Woba sogar Termine mit der für das Unternehmen tätigen Landschaftsarchitektin Heike Albert angeboten. Allerdings, informierte Woba-Chefin Daniela Raschpichler jüngst, war kein Mieter erschienen. Dennoch wolle man weiter die Diskussion mit den Mietern suchen.

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