Region uneins über Werbung um Pendler

Pendler-Aktionen sind für die Wirtschaftsförderer des Kreises ein rotes Tuch. Andere sehen gute Chancen - aber nur ohne Show und Kuchen.

Reichenbach/Plauen.

Um fehlende Arbeitskräfte für das Vogtland zu finden - 3200 freie Stellen sind im Kreis aktuell akut zu besetzen - fasst die Arbeitsagentur einen neuen Anlauf in Sachen Rückkehrer-Aktionstag ins Auge. Da sagte Behördenchefin Helga Lutz am Rande des Jahrespressegesprächs. Ihre Fühler dafür habe sie schon ausgestreckt.

Denn während im Vogtland auf dem Gebiet Flaute herrscht, melden andere Regionen Erfolge mit vergleichbaren Aktionen - etwa zog das Erzgebirge zur siebenten Auflage 800 Interessierte an, Zwickau, Mittelsachsen und zuletzt auch Chemnitz medienwirksam mit dem Einsatz eines ICE. "Branchenorientiert und direkt mit dem Arbeitgeber kann eine solche Veranstaltung wirklich Sinn machen", sagte Lutz und fügte mit Blick auf die Aktion der Chemnitzer hinzu: "Kosten und Nutzen müssen aber im Verhältnis bleiben." Showveranstaltungen will die Arbeitsagentur-Leiterin vermeiden, denn die könnten nach hinten losgehen. "Was wir auf keinen Fall wollen, ist das Wiederbeleben von Eierschecke-Terminen."

Der einstige Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) hatte 2011 mit dem Verteilen von Kuchenstücken in der Raststätte Vogtland-Süd nicht nur Pendler angezogen, sondern auch Spott. Der DGB demonstrierte vor der Raststätte während der Veranstaltung für "gute Löhne statt Eierschecke".

Die jüngste Aktion im Plauener Helios-Krankenhaus sieht die Verantwortliche für den Arbeitsmarkt im Vogtland indes als positives Beispiel: Im Dezember hatte das Krankenhaus einen Karrieretag veranstaltet. Helios ist mit 1200 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber in der Region. Das Format wollte Pendler und potenzielle Rückkehrer ansprechen, eine Wiederholung stand schon in Aussicht. Zum Neujahrsempfang steckten sie die Köpfe zusammen: Vertreter von Klinik, Jobcenter und Stadtverwaltung. Innerhalb der nächsten zwei bis drei Wochen sollen Gespräche vertieft, weitere Partner und Unternehmen ins Boot geholt werden, hieß es auf Nachfrage aus der Klinik. Noch vor Ostern könnte eine gemeinsame Aktion über die Bühne gehen.

Im Amt für Wirtschaftsförderung des Landratsamtes halten die Verantwortlichen unterdessen wenig von Messen und Börsen, um Interessierte und Weggezogene anzusprechen. Die Wirtschaftsförderung platziert Botschaften im Internet, auf Plakaten und in Werbespots. Seit Jahren wird eine Pendleraktion, wie sie in Annaberg-Buchholz traditionell in den Tagen nach Weihnachten stattfindet, im Vogtland ausgesetzt. "Die Situation ist eine andere als im Erzgebirge", sagt Marion Päßler, Leiterin im Amt für Wirtschaftsförderung, auf Nachfrage. "Die Wege zur Autobahn sind kurz, innerhalb von einer Stunde kommt man weit." Menschen, die in Oberfranken oder Zwickau arbeiten, wertet Päßler nicht als Pendler, die es zurückzugewinnen gilt - auch, wenn sie in die Statistik der Auspendler fallen. "Von Adorf ist nun mal der Weg nach Rehau kürzer als nach Reichenbach", sagte sie zuletzt im Gespräch mit "Freie Presse". "Wenn Menschen 20Jahre zur Arbeit pendeln, dann hat es auch einen Grund, warum sie das so machen."

Auch Wirtschaftsdezernent Lars Beck hatte in einem früheren Gespräch den Gedanken an eine Jobbörse dieser Art abgelehnt. Junge Leute würden Angebote im Internet wahrnehmen, nicht in ihrer Freizeit wegen ein paar Aufstellern ins Landratsamt kommen, so der Tenor.

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