Shoppingcenter vor historischem Marstallgebäude in Greiz geplant

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In Greiz soll direkt am Tor zur Altstadt und vor dem fürstlichen Marstall ein Einkaufszentrum gebaut werden. Doch dagegen regt sich Widerstand.

Greiz.

Der historische Marstall von Greiz liegt am Rand der Altstadt: Es ist ein repräsentativ erscheinendes zweistöckiges Gebäude aus gelben Ziegel- und roten Backsteinen, geschmückt mit Reiterreliefs aus Terracotta. 1870 wurde das Gebäude zur Unterbringung von Pferden und Kutschen unter Fürst Heinrich XXII. von Reuß (1846-1902) im Gründerzeitstil erbaut. Der große Platz davor liegt heute direkt gegenüber der Marktstraße, die in die Fußgängerzone der Altstadt führt. Ein Teil der Fläche dient Fahrzeugen zum Parken. Um die künftige Nutzung des Areals ist ein Streit entbrannt.

Seit einiger Zeit kursieren Pläne eines privaten Investors für ein Einkaufszentrum - das sogenannte Marstall-Center. Es soll die Fassade wie ein U umschließen, zwei Supermärkten Platz bieten, einem Drogeriemarkt und Parkplätzen. Die Stadtverwaltung nannte Aldi und Rewe sowie den dm-Drogeriemarkt als Interessenten. Hinzu kommen soll ein Seniorenwohnheim mit 90 Betten und bis zu 20 Wohnungen für ältere Menschen. Ein Parkhaus mit 215 Stellplätzen und begrüntem Dach würde das Vorhaben komplettieren. Genannt wird eine Investitionssumme von 30 Millionen Euro.

Doch gegen die Art der geplanten Bebauung hat sich in der Elsterstadt Widerstand formiert. Eine Bürgerinitiative "Stoppt das Marstall-Center" hat eigenen Angaben zufolge bisher mehr als 3000 Unterschriften gegen das Center in der vorgesehenen Form mit direkter Anbindung an das Marstallgebäude gesammelt, nachdem das Vorhaben des Architekten und Investors Arno Wagner im Greizer Stadtrat eine erste größere Hürde nahm: Eine Mehrheit der gewählten Bürgervertreter stimmte dort der Aufstellung eines Bebauungsplans für das Vorhaben zu. Stadtverwaltung und Abgeordnete erhoffen sich, dass die gesamte Innenstadt profitiert, wenn mehr Menschen den Weg nach Greiz finden - vom Center angezogen.

BI-Mitinitiator und Anwohner Michael Krause sagte dem MDR: "Die jetzigen Pläne zielen ja darauf ab, bis zu fünf Meter an den Marstall heranzubauen. Also da soll es nur noch eine kleine Glasabdeckung geben. Und dann ist der zugebaut." Denkmalschützer Roland Gräfe, ein gebürtiger Greizer, fürchtet, dass die gesamte historische Altstadtstruktur Schaden nehmen könnte, da das Bauvorhaben in seiner Architektursprache nicht auf Greiz, die vorhandene Bebauung und die Geschichte der Stadt eingehe. Die Bürgerinitiative fordert, dass die Stadträte die bisherigen Pläne komplett auf den Prüfstand stellen.

Laut Bürgermeister Alexander Schulze (parteilos) liegen der Stadtverwaltung inzwischen eine Vielzahl von Stellungnahmen zu dem Vorhaben vor. Sie sollen ausgewertet und mit den Stadträten diskutiert werden. Im Anschluss werde der Entwurf des Bebauungsplanes öffentlich ausgelegt. Greizer Bürger hätten dann erneut die Möglichkeit, sich zu Wort zu melden. Schulze räumt ein, dass der aktuelle Entwurf nicht optimal sei. Insgesamt aber will er an der Größe des Centers festhalten und den Investor unterstützen. Er wünsche sich, dass Bürger künftig nicht nur zum Marstall-Center kommen, um einzukaufen, sondern danach auch noch einen Bummel durch die Innenstadt machen, so das Stadtoberhaupt.

Die Fraktion der Partei Die Linke im Stadtrat hat unterdessen beantragt, die Umsetzung des Vorhabens zurückzustellen. Zunächst gelte es, ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept auf den Weg zu bringen. Marcel Buhlmann: "Es darf nicht sein, dass mit dem Marstall-Center harte Fakten in Beton gegossen werden, bevor das Konzept für die langfristige Stadtentwicklung überhaupt in die Diskussion geht."

Bis tatsächlich Beton fließen kann, wird allerdings wohl noch geraume Zeit vergehen. Zunächst zieht die Greizer Stadtverwaltung in diesem Monat erst einmal selbst in das Marstallgebäude um, denn für die nächsten zwei Jahre wird das Greizer Rathaus komplett saniert.

Die aktuellen Debatten in Greiz erinnern an den vor mehr als 20 Jahren in Plauen geführten Schlagabtausch um den Bau des innerstädtischen Einkaufszentrums Stadt-Galerie auf einer bis dahin bestehenden Grünfläche zwischen den Fuß- gängerzonen Bahnhofstraße und Klostermarkt. Dort gipfelten die Auseinandersetzungen in einem Bürgerentscheid, in dem eine Mehrheit der Bevölkerung schließlich dem Vorhaben zustimmte.

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