Sie folgten den Spuren ihres Landmanns

Als Gefangener war Joseph Santerre während des Zweiten Weltkriegs in Lengenfeld. Sein Großneffe kommt als Gast.

Lengenfeld/Irfersgrün.

Auf den Spuren des französischen Kriegsgefangenen Joseph Santerre ist in diesen Tagen eine französische Reisegruppe unterwegs, von der Bretagne bis ins tschechische Mosts: Nelly Burban, die Leiterin einer Musikschule in Malansac, hat sich mit vier ihrer Musikschüler sowie weiteren Begleiter, darunter auch dem Initiator des Projektes, Laurent Guillet, auf den Weg gemacht. An acht Stationen in drei Ländern gedenken sie der Toten des Zweiten Weltkriegs und geben innerhalb von zwölf Tagen insgesamt zehn Konzerte.

Die Lengenfelder Ägidiuskirche war am Donnerstag einer der Auftrittsorte. Knapp 100 Zuhörer gönnten sich zwei Stunden lang ein besonderes musikalisches Erlebnis: französische Chansons, unter anderem von Charles Aznavour und Edith Piaff, aber auch Filmmelodien, gefühlvolle und fröhliche Titel und zum Schluss die französische und die deutsche Nationalhymnen und für alle zum Mitsingen: "Champs Elysées", wobei die deutschen Besucher nur beim Refrain einigermaßen textsicher waren.


Dem Auftritt der Musikschüler mit ihrer Ausbilderin Nelly Burban ging ein Besuch der Gedenktafel in Irfersgrün voraus. Gäste, Einwohner aus Lengenfeld, Irfersgrün und Pechtelsgrün sowie Bürgermeister Volker Bachmann (Pro Lengenfeld) legten Blumen nieder. Franzosen und Deutsche zündeten gemeinsam Kerzen an und hielten während einer Gedenkminute kurz inne.

Laurent Guillet, Autor und Journalist aus der französischen Bretagne, hat nicht gezählt, wie oft er in den letzten zehn Jahren schon in Lengenfeld, in Irfersgrün und in Pechtelsgrün war. "25-mal dürfte nicht reichen", überschlägt er grob und verweist auf den Erfolg seines Friedensprojektes, "Die längste historische Schnitzeljagd der Welt". Um Papierschnitzel geht es dabei nicht, sondern um das Zurücklegen einer 2000 Kilometer langen Strecke von Trevelo in der Bretagne über Sarrebourg, Bad Liebenwerda, Mühlberg an der Elbe, Hartmannsdorf (Sachsen), Lengenfeld, Plauen, Litvinov und Most in Tschechien. Das ist der Weg den sein Großonkel Joseph Santerre während des Zweiten Weltkriegs als Gefangener zurücklegte. Er starb im Most. Über sein Leben hat Laurent Guillet ein Buch geschrieben: "Er hieß Joseph".

Die Teilnehmer der Schnitzeljagd legen entweder Teilstrecken oder die ganze Strecke zurück. Ein Begleitheft in drei Sprachen können sich die Reisenden in den jeweiligen Rathäusern und Gemeindeämtern abstempeln lassen. Die Art der Fortbewegung ist egal. Laurent Guillet ist die Strecke voriges Jahr im Hitzesommer gelaufen, jeden Tag 30 Kilometer, so wie sein Großonkel damals auch. Dem Initiator geht es um Völkerverständigung, Freundschaft, Erinnerung und Gedenken, aber nicht nur mit Worten oder auf dem Papier, sondern mit Taten.

35 Personen und Gruppen haben seit dem Start des Projektes vor acht Jahren die Gesamtstrecke absolviert, viele waren auf Teilen der Strecke unterwegs. Freundschaften sind entstanden. Viele der Gruppe, die sich von Anfang an um das Projekt bemüht haben, kennen sich über die Jahre gut und besuchen sich.

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