W-Lan in Plauens Innenstadt abgelehnt

Für 120.000 Euro wollte die Verwaltung mehrere Hotspots schaffen

Plauen.

17-mal Ja, 18-mal Nein, eine Enthaltung: Mit knapper Mehrheit hat der Plauener Stadtrat abgelehnt, in Plauen ein kommunales W-Lan auf den Weg zu bringen. Für insgesamt 120.000 Euro - der Eigenanteil aus der Stadtkasse hätte bei 24.000 Euro gelegen - wollte das Rathaus mehrere Hotspots in der Innenstadt schaffen, unter anderem an Kloster- und Altmarkt, am Tunnel, Theaterplatz, Malzhaus, entlang der Bahnhofstraße bis hin zum Oberen Bahnhof. Die City solle damit vor allem für Touristen attraktiver werden, erklärte Nick Grimm, Koordinator Digitalisierung im Rathaus.

Doch aus den Plänen wird nun nichts. CDU, AfD und FDP stimmten dagegen. Vier Argumente gegen das öffentliche W-Lan führte Dieter Blechschmidt (CDU-Mandat) an. Erstens: die Kosten - "das ist ein ganz schöner Batzen Geld in einer Zeit, in der wir uns als Stadt auf die Zahlungsunfähigkeit zubewegen". Zweitens: W-Lan sei nicht mehr zeitgemäß - "jeder hat ein Handy mit Flatrate". Drittens: Touristen würden nicht wegen eines W-Lans nach Plauen kommen, sie könnten zudem öffentliche Netze von Hotels oder Restaurants nutzen. Und schließlich, viertens: "Ein freies Netz könnte unserer Stadt schaden." Blechschmidt befürchtet, damit ein Klientel in die Innenstadt zu locken, welches nicht nur stundenlang am Smartphone hänge, sondern auch anderweitig Probleme bereite "wie in Zeiten vor dem Alkoholverbot".

Die Fraktion SPD/Grüne/Initiative Plauen (SGI) zeigte sich entsetzt angesichts des Neins zum W-Lan - dies sei ein Zurück in die Steinzeit. "Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit", sagte Danny Przisambor (SGI). Auch die Linken waren außer sich - vor allem mit Blick auf das Argument, dass ungebetene Personen die City aufsuchen könnten. Dies sei "nicht nachvollziehbar und erschreckend. Werden jetzt Menschen wieder in verschiedene Klassen eingeteilt und hat nicht jeder das Recht, sich in der Innenstadt aufzuhalten?" fragte Fraktionsgeschäftsführerin Petra Rank im Nachgang der Sitzung. Sie erinnerte zugleich an einen Antrag der CDU von 2016: Darin beauftragte Fraktionschef Jörg Schmidt die Verwaltung, über die Stadtwerke Strom Plauen ein Konzept zu freien W-Lan-Nutzung zu erstellen. Dies sei "nicht nur für Einwohner ein zeitgemäßer Komfort, sondern auch ein Service für Gäste unserer Stadt", hieß es. Die Linken fragen nun: Hat die CDU-Fraktion ihren eigenen Antrag vergessen? "Für eine moderne smarte Stadt hätte uns die Initiative der Stadtverwaltung sehr gut zu Gesicht gestanden", so Rank. In Rodewisch, Ellefeld und Oelsnitz etwa gibt es ein kommunales W-Lan.

Doch auch wenn in Plauen vorerst kein ähnliches Angebot geschaffen wird - kostenlos surfen kann man doch. Die Initiative Freifunk Vogtland hat zahlreiche Hotspots geschaffen.

https://vogtland.freifunk.net/

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