Wie das Vogtland zum Schulstart dasteht

Mehr als 1700 Erstklässler strömen an die Grundschulen im Landkreis. Die Vorfreude ist groß. Letzte Personal-Lücken füllte das Schulamt unter anderem mit Lehrern im Ruhestand.

Reichenbach.

Zum Beginn des neuen Schuljahres spukt das Thema Lehrermangel trotz proppevoller Zuckertüten in den Köpfen vieler Eltern. Nicht ohne Grund. Die "Freie Presse" hat die Lage zum Schulstart im Vogtland hinterfragt. Fazit: Es bleibt spannend.

Die Schüler: Von 18.045 Schülern im Vogtlandkreis starten 1699 Kinder in den ersten Klassen. Das sind sieben Zwerge mehr als voriges Jahr, die an den staatlichen Schulen der Region ihre Laufbahn beginnen. Auch die freien Schulen werden gut nachgefragt. So lernen an der Montessori-Grundschule Plauen 49 Erstklässler in zwei Klassen. Die Schule zeigte sich auf Nachfrage mit der Jahrgangsstärke sehr zufrieden.


Mehr neue Fünftklässler als vergangenes Schuljahr sind an den Oberschulen der Region gemeldet - die Stärke von zwei zusätzlichen Klassen und insgesamt 971 Schüler. An Gymnasien beginnen mit 571 Fünftklässlern dementsprechend weniger Schüler als voriges Jahr. Die Eltern von 89 Kindern wählten eine Förderschule für den weiteren Weg.

Die Lehrer: 43 neue Lehrkräfte hat das Landesamt für Schule und Bildung in Zwickau für das Vogtland eingestellt. Mehr als die Hälfte arbeitet im Referendarstatus. Jeder vierte Pädagoge ist ein Seiteneinsteiger, der nach dreimonatiger Fortbildung jetzt vor den Klassen steht. Vier Lehrer konnten aus anderen Bundesländern abgeworben werden.

27 Referendare und Lehramtsanwärter starten am heutigen Montag ganz frisch ihre Ausbildung an Schulen der Region - zusätzlich zum oben genannten Personal. Unterrichtsstunden dürfen sie erst ab dem zweiten Halbjahr übernehmen.

45 Lehrkräfte scheiden bis zum zweiten Halbjahr aber auch aus dem Dienst aus, etwa weil sie in Ruhestand oder Mutterschutz gehen. Was nach Nullsummenspiel aussieht, wird mithilfe der Jungreferendare ausgeglichen, die dann mit zwölf Wochenstunden loslegen. Auch sollen bis dahin weitere Seiteneinsteiger eingestellt werden.

Das Alter: Von 1722 Lehrern ist jeder fünfte in der Altersgruppe von 55 bis 59 Jahren zu finden. Es ist die zahlenmäßig stärkste Gruppe. Zehn Lehrer sind gar älter als 65. In der jüngsten Bildungsstudie, in der Sachsen den ersten Platz belegte, hatte es Minuspunkte für die Altersstruktur des Lehrkörpers gegeben. Dem gegenüber stehen im Vogtland aber auch 105 Pädagogen unter 30. Drei von vier Lehrern sind weiblich. 750 Lehrer sind nun verbeamtet.

Grundschullehrer sind Mangelware. Fünf freie Stellen gibt es aktuell an den Schulen im Vogtland. Auch für Förderschulen hätte das Schulamt gern mehr Personal gefunden. "Wir überbrücken die Lücken mit dem Programm Unterrichtsversorgung", erklärt Behördensprecher Arndt Schubert. Das sind Lehrer im (Un)Ruhestand, die stundenweise aushelfen. Auch Hochschulabsolventen überbrücken nach dem 1. Staatsexamen bis zum Beginn des Referendariats ihre Zeit als Aushilfslehrer.

Auf Kante genäht sind die Dienstpläne. Daraus macht das Schulamt keinen Hehl. Doch vor jeder neuen Klasse stehe ein Lehrer, wenn auch nicht immer vom passenden Fach. "Geändert hat sich, dass wir Lehrer wirklich nur fürs Unterrichten einsetzen können", betont Arndt Schubert. "Für Nachmittagsprojekte wie ein Chor oder anderes sind keine Reserven da. Das muss künftig von Ehrenamtlichen abgedeckt werden."

Neue Stundentafeln: Für die Schüler gibt es mit Beginn des Schuljahres 2019/2020 neue Stundentafeln. Unter anderem wird an Oberschulen in der 7. und 8. Jahrgangsstufe je eine Stunde Gemeinschaftskunde/Rechtserziehung zur Pflicht. Auch im Gymnasium will der Freistaat die politische Bildung stärken. Ab Klassenstufe 7 wird das Fach Gemeinschaftskunde/Rechtserziehung/Wirtschaft unterrichtet. Aufgrund der neuen Stundentafeln, aber auch um die Medienbildung, politische Bildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung zu stärken, wurden die Lehrpläne der allgemeinbildenden Schulen überarbeitet, so das Kultusministerium. Die angepassten Lehrpläne sind Grundlage des Unterrichtens.

Die Schulbusse: In Sachen Schülerverkehr ändert sich zum Schuljahresbeginn nichts. Erst nach den Herbstferien greifen das neue Netz und die neuen Fahrpläne für die Region. Letzte Absprachen mit den Schulen laufen dazu, lautete zuletzt die Auskunft vom Verkehrsverbund Vogtland.

Die Aussichten: Prognosen des Statistischen Landesamtes mit Sitz in Kamenz gehen bis nach 2025 von steigenden Schülerzahlen aus, an berufsbildenden Schulen werden 2030 Spitzen erreicht. Landrat Rolf Keil (CDU) sieht mit den verstärkten Einstellungen eine Besserung für das Vogtland angeschoben. "Es ist klar, dass sich die Situation nicht sofort drehen lässt", sagte Keil im Gespräch mit der "Freien Presse". "Entscheidend wird sein, ob sich genügend junge Menschen finden, die bereit sind, in den ländlichen Raum zu gehen." Knapp zehn Junglehrer konnten über ein Stipendium ans Vogtland als Einsatzort gebunden werden. Sie wollten aber ohnehin dorthin, räumt das Schulamt in Zwickau ein - es sind Vogtländer.


Mehr Unfälle in der Freizeit

Unfälle mit Schulkindern

Schuljahr   Freizeit  Schulweg

2018/2019    38          19

2017/2018    34          17

2016/2017    38          10

2015/2016    36          13

2014/2015    34           8

Vergleich der Schulwegunfälle

Schuljahr      zur Schule     Heimweg

2018/2019          10                  9

2017/2018            5                12

2016/2017            4                 6

2015/2016            8                 5

2014/2015            2                 6

Quelle: Polizeidirektion Zwickau

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