Aktionstag der Tagesmütter: Alle Vorurteile ausgeräumt

Katrin Nagel war 2006 Glauchaus erste Tagesmutter. Damals hatte sie es nicht leicht. Heute muss man sich rechtzeitig anmelden, um sein Kind bei ihr unterzubringen.

Glauchau.

Katrin Nagel hat an zwei Fronten gekämpft. Die heute 47-Jährige richtete vor über zehn Jahren mit Fördergeld der Europäischen Union die Räume ihre Kindertagespflege her. Als sie starten wollte, machte ihr der Freistaat einen Strich durch die Rechnung: Die Betreuung von mehr als drei Kindern in der Tagespflege war nur in der eigenen Wohnung erlaubt. Als sie von der Stadt Glauchau schließlich doch eine Genehmigung erhielt und 2006 in ihrer Einrichtung "Krabbelkäfer" loslegen konnte, sah sie sich mit einem anderen Problem konfrontiert. "Der Anfang war schwierig", sagt Nagel. "Bei Kitas bin ich auf manche Vorbehalte gestoßen."

Und heute? Katrin Nagel steht gemeinsam mit ihren Kolleginnen in der "Van Oase", den Räumen von Tagesmutter Elisabeth Vanheiden. Zum gestrigen Aktionstag der Tagesmütter sind nicht nur Eltern gekommen, auch interessierte Besucher und Repräsentanten der Stadt. Zeit für eine Bilanz. "Inzwischen ist die Akzeptanz groß", so Nagel. Die Anmeldezahlen seien bestens. "Wenn Sie Ihr Kind ab 2019 in meiner Gruppe haben wollen, müssen Sie sich heute schon bei mir anmelden."

Auch in den Kindertagesstätten, in die die Kleinen zumeist wechseln, sobald sie zwei oder drei Jahre alt sind, herrscht inzwischen ein positives Bild von den Tagesmüttern. "Damals hieß es schon mal: Oh Gott, ein Kind aus der Tagespflege", erzählt Katrin Nagel. Davon kann heute keine Rede mehr sein. "Ich habe ausschließlich positive Erfahrungen gemacht mit Kindern aus der Tagesbetreuung", sagt Petra Pristel, Leiterin der "Märchenland"-Kita. Karen Kossmann ist Chefin im Kindergarten "Sunny Kids" in Glauchau-Gesau - und hat ihre Tochter bei Tagesmutter Beate Dressel. "In meine eigene Einrichtung kann sie erst, wenn sie zwei Jahre wird. Für mich ist es spannend, den Aufbau und die Personen hier kennenzulernen", sagt die 29-Jährige. "Die Zusammenarbeit mit der Tagespflege ist jedenfalls wichtig."

Für Eltern ist vor allem die geringe Gruppengröße attraktiv. "Maximal fünf Kinder in einer Gruppe, das hat uns gut gefallen", sagt Christian Böttner, der in der "Van Oase" gerade Tochter Lena anzieht. "Für den Einstieg hatten wir damit ein besseres Gefühl. Ab Juli kommt sie in die Kita. Ich denke, sie hat sich hier gut entwickelt." Worin sich alle Glauchauer Tagesmütter einig sind: Die Unterstützung der Stadt ist da. Sollte eine Betreuerin einmal ausfallen, kann zur Not auf eine städtische Kita ausgewichen werden. "Als eine Kollegin wegen einer Operation für einige Monate ausfiel, hat die Stadt die Raummiete in dieser Zeit übernommen", sagt Nagel. "Die Zusammenarbeit funktioniert."

"Bei solchen Engpässen springen wir ein. Das sind wir den Leuten einfach schuldig", sagt Marcus Steinhart, Fachbereichsleiter für Bürgerservice, Jugend und Schule. "Hier wird Erziehung auf höchstem Niveau geboten." Die Tagespflege nennt er eine Säule in Glauchaus Kinderbetreuung.

Lob von allen Seiten. Für Katrin Nagel scheint sich der Kampf um die eigene Kindergruppe vor über zehn Jahren gelohnt zu haben.

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