Anwohner wollen Raser an der Steilen Wand ausbremsen

An Westsachsens wohl bekanntester Straße soll nur noch Tempo 30 gefahren werden. Das fordert eine Initiative. Meeranes Rathauschef zeigt Verständnis, will das Anliegen aber noch prüfen lassen.

Meerane.

An der Steilen Wand in Meerane rumort es mächtig: Nicht etwa Radsportler, die schon zu DDR-Zeiten die Steigung von zwölf Prozent der fast 250 Meter langen Straße bezwangen, sorgen für Unmut, sondern Raser und auch Transporter, die vor allem in den Abendstunden für reichlich Lärm sorgen. Deshalb mahnt nun ein Großteil der Anlieger eines der größten und wohl auch bedeutendsten Flächendenkmale Westsachsens eine Tempo-30-Zone an.

Rathauschef Lothar Ungerer (parteilos) hat während der vergangenen Sitzung des Stadtrates bestätigt, dass ein Schreiben mit dieser Forderung im Rathaus vorliegt - unterzeichnet von 80 Anwohnern. Eine Aktion, die von Heidemarie Dietzel gebracht wurde. "Ich mache mir vor allem um Kinder und ältere Leute große Sorgen. Muss denn erst ein schwerer Unfall passieren, damit sich hier etwas in puncto Verkehrsberuhigung bewegt?", fragt die 69-jährige Meeranerin. Die Seniorin ist für diese Unterschriftenliste von Haus zu Haus, von Tür zu Tür gegangen. Die meisten Nachbarn hätten ihr zugestimmt, ebenso die Raserei und den Lärm an der Steilen Wand moniert.

Dazu gehört auch Karsten Eisenkrätzer, der ebenfalls an der Steilen Wand wohnt und im Mai erneut für die Linken in den Stadtrat gewählt wurde: "Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden", sagt Eisenkrätzer, der es wissen muss. Immerhin ist er beruflich als Kraftfahrer unterwegs. Neben der Raserei kritisiert er unter anderem auch die Vorfahrtsregelung im oberen und auch unteren Bereich. Nun freue er sich, dass die Stadtverwaltung die Angelegenheit der Bürgerinitiative ernst nimmt.

So hatte Bürgermeister Ungerer vor den Stadträten klargestellt, dass es sich bei der Raserei um ein grundsätzliches Problem in der Kommune handelt. Daher greift er nicht nur die Forderungen der Bürgerinitiative gern auf. Er könnte sich sogar vorstellen, einen Schritt weiterzugehen: "Wir überlegen gerade, ob wir das gesamte Stadtgebiet zur Tempo-30-Zone erheben." Das müsse aber noch genau geprüft werden. Im Zusammenhang mit der Steilen Wand ergänzte er lediglich, dass bauliche Veränderungen, die die Raser ausbremsen könnten, "sehr viel Geld kosten". Schon daher favorisiert Ungerer die Überlegung der Anlieger, dort Tempo 30 einzuführen.

Doch nicht nur die Raserei bringt den Rathauschef auf die Palme: "Es werden Wege benutzt, die gar nicht befahren werden dürfen", ärgert sich Ungerer. Damit nicht genug: Auch das Fehlverhalten von Kraftfahrern beim Überholen von Bussen an Haltestellen, die auch Schüler transportieren, habe sich zu einem echten Problem herauskristallisiert. So dürfen Busse, die sich mit eingeschalteter Warnblinkanlage der Haltestelle nähern, nicht überholt werden. Und: Wenn Busse mit Warnblinkern an der Haltestelle stehen, darf nur in Schrittgeschwindigkeit vorbeigefahren werden.

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