Archäologen buddeln sich durch die Zeiten

Bevor die S 288 durchs Meeraner Gewerbegebiet gebaut wird, erforschen Experten die Siedlungsgeschichte - bisher ohne einen Sensationsfund.

Meerane.

Matthias Conrad holt einen eher unscheinbaren kleinen Gegenstand aus seiner Schachtel und bewegt ihn zwischen Daumen und Zeigefinger. Bei genauer Betrachtung erkennt auch der Laie, dass es sich um einen Ösenhenkel handelt, der von einem keramischen Vorratsgefäß stammt. Der Referent des Landesamtes für Archäologie datiert den Fund vorsichtig auf die Zeit zwischen 4400 Jahre vor Christus und Christi Geburt. Genauer könne das erst nach den Ende des Sommers anstehenden wissenschaftlichen Untersuchungen gesagt werden.

Seit dem vergangenen Jahr untersucht ein sechsköpfiges Team mit Grabungsleiterin Karin Felke an der Spitze einen etwa 1,3 Kilometer langen Bereich entlang der neuen Erschließungsstraße im Gewerbegebiet Meerane-Crimmitschau - und das Abschnitt für Abschnitt. Die Erschließungsstraße bildet als Staatsstraße 288 zugleich die neue Umgehungsstraße für den Meeraner Stadtteil Waldsachsen. Zwar drehen sich seit wenigen Tagen schon die Bagger im westlichen Teil des Gewerbegebietes, um den Verkehrsknoten und das 13.000 Kubikmeter große Regenrückhaltebecken zu bauen, den Arbeiten im letzten Grabungsareal nahe der fast fertigen Halle der Autozulieferer SAS Autosystemtechnik und Leonie tut das aber keinen Abbruch. "Wir sind hier noch bis etwa Mitte Juni zugange", sagt Grabungsleitern Karin Felke, die ab und an auch mit vorbeischauenden Einwohnern ins Gespräch kommt. "Das Interesse bei den hier lebenden Menschen ist da", fügt die Archäologin an. Gleichwohl erzählt sie dann, dass "in den vielen Siedlungsgruben überraschend wenig Fundmaterial auftrat". Fest steht: Was von den Experten entdeckt und dokumentiert wurde, soll weiteren Untersuchungen unterzogen werden. "Nach den Analysen wissen wir mehr", sagt die Grabungsleiterin. Die beweglichen Funde, wie unter anderem die Keramikscherben und auch Bodenproben, gehen in den Besitz des Freistaates Sachsen über, der zudem als Bauherr die neue Staatsstraße 288 durch das Gewerbegebiet Meerane-Crimmitschau finanziert und errichten lässt. Die Funde werden in das Landesamt für Archäologie in Dresden-Klotzsche gebracht. Nach Reinigung, Beschriftung und Konservierungsmaßnahmen gelangen sie zumeist in die Depots des Archäologischen Archivs im Landesamt. Dort stehen sie für die wissenschaftliche Aufarbeitung und Ausstellungszwecke bereit.


"Wir wissen, dass hier schon Anfang des 20. Jahrhunderts eine größere Siedlungsstelle gefunden wurde", sagt Referent Matthias Conrad. Daher sei es nun interessant, wann und wie lange sich hier Menschen ansiedelten, auch wie viele Siedler diese Gebiete einst zählten.

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