Bürgermeister und die Krise

Die Corona-Krise ist auch für Rathäuser und deren Oberhäupter eine Herausforderung: Wie halten sie den Kontakt zu den Bürgern? Die "Freie Presse" hat nachgefragt.

Landkreis.

Den Weg von seiner Wohnung zu seinem Arbeitsplatz im Werdauer Rathaus legt Oberbürgermeister Sören Kristensen (Unabhängige Liste) mit dem Rad zurück. In diesen Tagen fährt das Stadtoberhaupt auch mal einen Umweg, um persönlich mit den Bürgern in Kontakt zu kommen und die Einhaltung der getroffenen Maßnahmen mit zu kontrollieren. "Bisher wurden nur wenige Verstöße festgestellt. Ein paar Jugendliche, die im Skaterpark noch aktiv waren, habe ich auf die geltenden Regelungen hingewiesen. Auf dem Parkplatz von Rewe im Zentrum wurde eine Zusammenkunft von mehreren Leuten, die sich dort auf einen Plausch getroffen hatten, aufgelöst", sagt das Stadtoberhaupt. Um den Kontakt zu der Bürgerschaft aufrechtzuhalten, hatte er die beiden zurückliegenden Wochen im Rathaus Sondersprechstunden eingeführt und war jeweils samstags und sonntags von 10 bis 16 Uhr persönlich am Telefon erreichbar. "Die Zahl der Anfragen, die uns auch über die Hotline erreichen, hat in den zurückliegenden Tagen spürbar abgenommen. Offenbar haben sich die Bürger an die Situation gewöhnt und akzeptieren auch die vorübergehenden Einschränkungen", sagt Sören Kristensen.

In anderen Städten setzen sich die Rathauschefs hinter das Steuer ihres Autos. In Crimmitschau unterstützt Oberbürgermeister André Raphael (CDU) die Mitarbeiter des Fachbereichs für Öffentliche Ordnung und Sicherheit. "Die Disziplin der Bevölkerung ist besser geworden. Die Leute sind mit Abstand unterwegs", sagte Raphael, der die Einwohner bei möglichen Verstößen auch persönlich anspricht. Am Sonntag der Vorwoche legte er beispielsweise mehr als 40 Kilometer mit dem Auto zurück, um an verschiedenen Treffpunkten vorbeizuschauen - in der Kernstadt und den Ortschaften. In Waldenburg kon-trolliert Bürgermeister Bernd Pohlers (Freie Wähler) nach Dienstschluss und an Wochenenden die Situation auf den (abgesperrten) Spielplätzen und im Grünfelder Park. "Bei schönem Wetter zieht es viele an die frische Luft - aber halt mit dem nötigen Abstand", stellte das Stadtoberhaupt aus der Töpferstadt fest. In einer Kleinstadt wie Waldenburg wird ein Bürgermeister auch bei vielen Kleinigkeiten informiert. "Unter anderem, als sich einige Jugendliche in privater Runde auf dem Sportplatz getroffen haben", berichtete Pohlers.

Die Stadtverwaltung Meerane hat am Donnerstag ihren Internetauftritt verändert, um noch schneller und ausführlicher über die Entwicklungen der Corona-Krise aus kommunaler Sicht informieren zu können. Außerdem haben die Einwohner die Möglichkeit erhalten, ihre Anregungen und Anfragen über eine speziell dafür eingerichtete E-Mail-Adresse (corona@meerane.de) an die Stadtverwaltung zu richten. Und nicht zuletzt sollen nun auch auf der Homepage täglich die über den Landkreis Zwickau veröffentlichten Fallzahlen erkrankter Menschen sichtbar sein.


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 

Coronavirus: Unser Angebot zur Lage in Sachsen, Deutschland und der Welt

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.