Die Tage der Palla sind gezählt

Nachdem der geplante Verkauf der denkmalgeschützten Industriebrache gescheitert ist, wird nun der Abriss vorbereitet. Doch das stößt auf Widerstand.

Glauchau.

Glauchaus größte Industriebrache - der denkmalgeschützten Komplex am Scherbergplatz und an der Otto-Schimmel-Straße - steht vor dem Abriss. "Wir haben am 15. Mai den Fördermittelantrag für den Abbruch der Palla-Brache eingereicht", sagte am Montag Glauchaus Oberbürgermeister Peter Dresler (parteilos) auf Anfrage der "Freien Presse". Die Stadt erhoffe sich Fördermittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre). Wenn die Fördergelder bewilligt werden und die Genehmigungen vorliegen, werde der Stadtratsbeschluss umgesetzt und der Abriss beginne. Der Stadtrat hatte bereits im Jahr 2012 beschlossen, den Abriss der Palla vorzubereiten und zeitgleich dennoch einen Investor für den riesigen Komplex zu suchen.

Letzteres hat nicht funktioniert, obwohl es bis vor Kurzem noch ganz anders aussah. Die Stadt Glauchau als Eigentümerin hatte im zeitigen Frühjahr den Komplex zum Verkauf ausgeschrieben, nach optimistischen Vorgesprächen, die vor dem Hintergrund der Umstrukturierung der VW-Produktion in Mosel auf Elektro-Autos ernsthaftes Interesse an der Palla-Brache signalisiert hätten. So jedenfalls hatte es damals OB Dresler formuliert. Im Rathaus ging ein Kaufangebot ein. Doch jetzt räumte er zur jüngsten Stadtratssitzung ein, dass das Kaufangebot nicht zuschlagsfähig sei. Mehr wollte Dresler nicht sagen. Laut Ausschreibung gab es für den Kauf bestimmte Bedingungen. Dazu gehörte, dass der Käufer ein Konzept vorlegt, in dem er seine Vorhaben mit dem Komplex darlegt. Außerdem sollte mit dem Kauf eine Investitionsverpflichtung eingegangen werden.


"Für uns ist der geplante Abriss ein Skandal", sagte am Montag Monika Hanns, Vorsitzende des Denkmalvereins Glauchau. Der Denkmalverein hatte sich viele Jahre lang für den Erhalt der Palla-Brache ausgesprochen, organisierte vor wenigen Jahren einen öffentlichen Rundgang durch die denkmalgeschützten Gebäude. Im Frühjahr vermittelte er ehemalige Mitarbeiter der Palla an das Staatsarchiv in Chemnitz, um dort bei der Auswertung historischer Fotos aus dem Arbeitsalltag in der Palla zu helfen. "Die Stadt und die Wirtschaftsförderung müssen sich die Frage gefallen lassen, was in den vergangenen Jahren für die Vermarktung der Palla getan wurde", sagte Hanns weiter. Die Stadt müsse öffentlich erklären, warum das Kaufangebot nicht annehmbar sein soll.

Die Palla-Gebäude sind eng mit der Geschichte der Stadt Glauchau verknüpft. Die beiden Firmen Bößneck und Meyer sowie Ernst Seifert errichteten in den Jahren 1927 und 1928 ihre repräsentativen Firmensitze. Nach dem Krieg wurden beide Firmen enteignet, sie wurden 1951 zum VEB Textilwerke Einheit verschmolzen. Knapp 20 Jahre später führte man mehrere Textilbetriebe in Glauchau und Meerane zum VEB Textilwerke Palla zusammen. In Hochzeiten waren in dem Betrieb 4000 Menschen beschäftigt. Bis 1994 wurden in Glauchau Stoffe produziert. Danach siedelte das Unternehmen als Palla Creativ GmbH nach St. Egidien um.

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1Kommentare
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    WolfgangPetry
    22.05.2019

    Wegreißen, wegreißen, wegreißen. Wann hört das endlich mal auf? Ist denn ganz Sachens von Abbruchunternehmen geschmiert?



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