Doreen und die wilde 13

Doreen Dietel aus Trünzig kämpft seit Freitag im RTL-Dschungelcamp ums Überleben. Die Schauspielerin vertritt den Osten mit lächelnder Bescheidenheit.

Trünzig/Murwillumbah.

16.000 Kilometer: Viel weiter können zwei Lebenswelten nicht voneinander entfernt sein als das beschauliche Trünzig (westlich von Werdau) im kalten Nieselregen und Murwillumbah im Osten Australiens, das sich mitten in der Regenzeit befindet. Von Trünzig ins RTL-Dschungelcamp hat es Doreen Dietel gebracht - wenn auch nicht direkt, sondern mit dem Umweg übers Fernsehen, etwa bei "Bei aller Liebe" oder "Dahoam ist dahoam". Außerdem hat sie vor 20 Jahren eine zu dicke Lippe riskiert - und auch deswegen hockt sie jetzt auf einer umgebauten Farm und gibt in der 13. Folge von "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" die Quoten-Ossi.

Nach den ersten beiden Folgen will ich es mal so formulieren: Doreen Dietel wird das Ding nicht gewinnen. Aber ich neige schon jetzt dazu, sie "unsere Doreen" zu nennen. Sie ist so typisch das, was wir als gelernte DDR-Bürger an Tugenden für uns beanspruchen ... nun ja ... dass sie leider aus dem Raster fällt, wenn RTL auf der Suche nach versendbaren Entblödungen ... Verzeihung: Entblößungen ... geht. Unsere Doreen ist halt mehr so die Freundliche und Bescheidene. Sie tut keinem weh und fällt auch sonst nicht weiter auf. Gelernt ist eben gelernt. Bei der ersten Härteprüfung balanciert sie erstaunlich souverän über einen Donnerbalken in gut 100 Metern Höhe. Sie macht das ganz ohne Gezeter, Tränen und Geschrei. Schade. Denn so bekommt man zwar einen Stern fürs Abendbrot, aber halt keine Punkte bei der auf Leid und Schlammschlacht gierenden Zuschauerschaft.

Aber so sind wir halt: Volle Punktzahl fürs Erledigen der Aufgabe, nur der Unterhaltungsfaktor geht gegen null. Für die RTL-Mathematik eine Katastrophe. Und leider lernt unsere Doreen auch nicht dazu. Zur ersten offiziellen Dschungelprüfung macht die 44-Jährige den gleichen Fehler. Wie man in Trünzig - und drumrum - halt immer so gesagt hat: Was auf den Teller kommt, wird aufgegessen. Also knuspert sie den Schweinehoden klaglos in sich hinein, schlabbert Kotzfrucht und pürierte Kakerlaken hinterher und hat den Mund leer, da ist die Blonde neben ihr noch am Hyperventilieren. Eine von beiden bekommt am Ende den Stern und das Essen, die andere die Sendezeit. Eine von beiden macht alles richtig.

Richtig ist ja relativ. Bei Camp-Insassen wie Doreen Dietel laufe zumindest ich nicht Gefahr, mir während der Sendung die Decke über den Kopf zu ziehen und laut vor mich hinzubrabbeln, bis die Peinlichkeit vorbei ist. Allerdings fand unsere Doreen in der zweiten Sendung schon kaum mehr statt. Ebenso wie die zweite Dame aus dem Osten - die Dresdner Bobpilotin Sandra Kiriasis. Die macht auch 'ne Menge richtig. Irgendwie.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...