Ein ausgezeichneter Helfer

Der Meeraner Udo Friedrich ist mit dem Sächsischen Integrationspreis geehrt worden. Der Flüchtlingshelfer unterstützt nicht nur bei der Wohnungssuche und bei Behördengängen.

Meerane.

Die einen sagen, er habe das Helfer-Syndrom, andere meinen, er sei ein Gutmensch. Mit beidem kann Udo Friedrich nicht allzu viel anfangen. "Ich setze mich für Leute ein, die keine Lobby haben, die auf sich allein gestellt sind. Nicht mehr und nicht weniger", sagt der Meeraner, der am Freitag neben drei Projekten als Einzelperson mit dem Sächsischen Integrationspreis in Dresden geehrt wurde. Die Stifter begründen die Entscheidung mit dem jahrelangen "beispielhaften Engagement für Flüchtlinge".

Dabei war der 49-Jährige eher zufällig zum Helferkreis der Diakonie in Glauchau und Meerane gekommen. "Ich hatte schon immer einen Transporter. Anfangs war's ein VW T4, heute ist es der Nachfolger VW T5", erklärt Friedrich. "Da das die Mitstreiter des Helferkreises rasch mitbekommen haben, baten sie mich natürlich um ein paar Fahrten." Mal musste ein Sofa, dann wieder ein Bett zu einer Wohnung oder einem Flüchtlingsheim transportiert werden. Als 2015/2016 viele Flüchtlinge kamen, sei er jeden Tag nach der Arbeit unterwegs gewesen. "Viele Leute haben damals Möbel gespendet, die abgeholt und auch verteilt werden mussten. Mir wurde dann jedes Mal nur noch ein Zettel in die Hand gedrückt, dann ging es schon los", sagt Friedrich, dem dafür allerdings nicht jeder auf die Schulter klopft. "Ich bekam sogar Morddrohungen", erinnert er sich. Dabei geht ihm bis heute ein Ereignis nicht mehr aus dem Kopf: Als er am 24. Dezember 2015 aus dem Fenster schaute, traute er seinen Augen nicht. Sein Transporter war mit grüner Industriefarbe übergossen worden. Schaden: 3000 Euro.

"In diesem Moment habe ich das erste Mal ernsthaft darüber nachgedacht, meine ehrenamtliche Arbeit im Helferkreis an den Nagel zu hängen", so der Westsachse. Doch das konnte und wollte er den vielen Flüchtlingen nicht antun, denen er bis heute herzliche Begegnungen zu verdanken hat, deren Schicksale ihn bis heute nicht loslassen. Denn daraus seien Freundschaften entstanden, die bis heute halten. Dabei hat ihm seine Cocker-Spaniel-Dame Julia viele Türen geöffnet. Vor allem Flüchtlingskinder, die oft traumatische Erlebnisse zu verarbeiten haben, würden schnell das Herz des Vierbeiners erobern. "Ich sage immer, das ist die beste Dolmetscherin, die es gibt. Da ist schnell das Eis gebrochen", so Friedrich. "Die Flüchtlinge sind so dankbar, wenn sie merken, da ist jemand, der wirklich hilft und anpackt." Er habe aber auch immer eines betont: "Ich gebe mich nicht mit kriminellen Ausländern ab." So habe er bisher nur einen jungen Syrer kennengelernt, der in einem Supermarkt Kleinigkeiten mitgehen ließ. Aber auch der sei inzwischen seinen Weg gegangen, habe jetzt einen Job in der Gastronomie gefunden.

Wenn der VW-Arbeiter Flüchtlingen zur Seite steht, dann muss er sich mit ganz individuellen Problemen herumschlagen. Letztlich drehe sich aber alles vor allem um Wohnungssuche, Behördengänge, Suche nach Praktikumsplätzen und Jobs sowie Familienzusammenführung. Letzteres habe ihn in einem Fall viele Nerven gekostet. Denn erst nach vier Jahren Kampf war es Friedrich gelungen, die Angehörigen des 23-jährigen Syrers Dyaa und seines Vaters aus Ägypten nach Meerane zu holen: Dyaas Mutter und die drei Kinder (sechs, sieben und zehn Jahre alt) seines vermissten großen Bruders, der offenbar umgebracht wurde. Bis Dresden sei er gegangen - ohne Erfolg. Die Behörden sperrten sich, denn nur der eigene Ehepartner und die eigenen Kinder unter 18Jahre dürften nachgeholt werden. Dann seien beauftragte Anwälte auf eine Idee gekommen: Sie haben die Lage der beiden Syrer so beurteilt, als würde es sich um eine deutsche Familie handeln. Das ging auf. Inzwischen hat Friedrich für alle eine Wohnung in Zwickau gefunden.

Doch die ehrenamtliche Tätigkeit Friedrichs, der erst im Mai dieses Jahres für die Freien Wähler in den Meeraner Stadtrat eingezogen ist, geht weiter. Jährlich sammelt er mit seinem grünen Traktor ("Udos Kinder Express") auf Veranstaltungen und Festen Spenden für Vereine und Projekte. So sind in diesem Jahr 1614,82 Euro zusammengekommen. "Derzeit steht der 61 Jahre alte Traktor mit einem Zylinderkopfschaden in der Garage. Ich kann nur hoffen, das passende Ersatzteil zu finden", so Friedrich.


Preise mit 3000 Euro dotiert

Der Sächsische Integrationspreis ist zum zehnten Mal vergeben worden. Die Stifter sind das Sächsische Ministerium für Gleichstellung und Integration sowie der Sächsische Ausländerbeauftragte Geert Mackenroth (CDU). Ausgezeichnet wurden drei Projekte und Initiativen, die sich für die Integration von Migranten einsetzen. 62Vereine hatten sich beworben. Die Preise sind mit je 3000 Euro dotiert. 2019 entschied die Jury, einen Sonderpreis an eine Einzelperson zu vergeben. Der ist mit 1000 Euro dotiert.

Neben dem Sonderpreis für Udo Friedrich sind das Bürgerbündnis "Hoyerswerda hilft mit Herz"mit seinem breit aufgestellten Angebot für Flüchtlinge ausgezeichnet worden. In Glauchau hat der Christliche Verein Junger Menschen das Projekt "Bunte Box" etabliert, das Einheimische und Flüchtlinge zusammenbringt. In Chemnitz ist das Zeitungsprojekt "Horizont" entstanden. Journalisten und Grafiker erhalten die Möglichkeit, in ihrem Job zu arbeiten. (jwa)

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