Fachkräftemangel: Experten sehen "Baustellen"

Bei einer Diskussion in Glauchau wurde deutlich: Der Demografie-Wandel verschärft den Fachkräftemangel, die ideale Lösung gibt es aber nicht.

Glauchau.

Kathleen Reinhold von der Firma Werkzeugmaschinenfabrik Glauchau packt das Problem rasch auf den Tisch: "Einige Bewerber, mit denen wir ein Vorstellungsgespräch vereinbart haben, erscheinen nicht", bedauert die Assistentin der Geschäftsleitung. Es sei zunehmend schwieriger, Fachpersonal zu gewinnen. Dabei suche der Schleifmaschinenhersteller händeringend Mitarbeiter - vor allem Mechatroniker, Industriemechaniker und Konstrukteure. Reinhold, die sich an dem von der Friedrich-Naumann-Stiftung im Überbetrieblichen Ausbildungszentrum in Glauchau organisierten Forum zum Thema "Wie regionale Unternehmen Fachkräfte sichern?" beteiligte, erhoffte sich Lösungen. Immerhin, so hat es der IHK-Fachkräftemonitor berechnet, werden 2025 in Sachsen 82.000 qualifizierte Kräfte fehlen. Zudem lasse sich der Demografie-Wandel nicht aufhalten, nur verlangsamen. Denn auch in den Kommunen Westsachsens ist die Anzahl der Sterbefälle höher als die Anzahl der Geburten, fügte die Glauchauer Wirtschaftsförderin Astrid Modrack an.

Obwohl sich das Problem verschärft, waren sich die Teilnehmer am Ende der Diskussion einig: Die ideale Lösung gibt's zwar nicht, dafür aber mehrere "Baustellen", denen sich besonders die große Politik intensiver widmen müsse. So plädierte Yvonne Kilian vom Chemnitzer Verein zur beruflichen Förderung und Ausbildung dafür, weiter ausländische Arbeitskräfte in die Region zu holen. Zwar werde das schon verstärkt im Bereich der Pflege praktiziert, die "bürokratischen Hürden" seien aber weiter groß. In dem Zusammenhang sprach sich Nico Tippelt, Glauchauer FDP-Stadtrat und Fachkaufmann für Marketing, für "ein funktionierendes Einwanderungsgesetz" aus. Und nicht nur das: Um junge Leute zu halten und neue Arbeitskräfte für die Region zu gewinnen, müsse der Kreis seine Vorzüge besser herausstellen. Dabei bezog sich Tippelt auf die von der IHK formulierten "Regionalpolitischen Positionen 2019-2024". Darin heißt es: "Die Region Zwickau muss sich wesentlich besser vermarkten. Dazu ist die Entwicklung und Umsetzung eines Marketingkonzeptes erforderlich." Das sieht Wirtschaftsförderin Astrid Modrack ähnlich, die auch große Verantwortung bei der sogenannten Zwickau AG, der Allianz von Wirtschaft und Kommunalpolitik, sieht. Felicia Kollinger-Walter, Sprecherin der Saxony International School, ließ zudem die fortschreitende Digitalisierung nicht unerwähnt, die Arbeitsplätze vernichtet und gleichzeitig neue Jobs schafft. "Je früher wir junge Menschen auf die sich verändernde Arbeitswelt vorbereiten, umso besser kommen sie später klar", sagte die Betriebswirtin. Das erfordere aber auch von den älteren Mitarbeitern, sich dem lebenslangen Lernen nicht zu verschließen. Hier müssten Arbeitnehmer und Arbeitgeber an einem Strang ziehen. Schließlich schickte die Runde einen weiteren Appell an die Politik: Mit wachsendem Fachkräftemangel dürfe bei der Unterstützung von Schulabbrechern und Langzeitarbeitslosen nicht gespart werden. Auch sie müssten in den ersten Arbeitsmarkt gebracht werden.

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