Gersdorf stand vor der Evakuierung

Ein Großaufgebot an Feuerwehren hat am Freitag den Großbrand bei Gersdorf gelöscht. André Legies, Einsatzleiter vor Ort, zieht daraus seine Lehren.

Gersdorf.

Die ersten Minuten am Einsatzort nennt man bei der Feuerwehr die Chaosphase. Es gilt, die Situation zu überblicken und zu verstehen, was überhaupt zu tun ist. Per Funk müssen die Einsatzkräfte die Kommunikation untereinander aufbauen und eine Strategie entwerfen. Dann wird gehandelt.

André Legies, Hauptbrandmeister, sitzt im Versammlungssaal der Feuerwehrstelle Gersdorf und lässt den Einsatz, den er am vergangenen Freitag leitete, Revue passieren. Um 15.25 Uhr erreichte die Kameraden der Notruf. Die Rede war von einem 200 Quadratmeter großen Feldbrand am Gersdorfer Hofgraben. Als sie vier Minuten später den Einsatzort erreichten, standen sie vor einem Flammenmeer. "Das war die Chaosphase", erinnert sich Legies. Die Evakuierung der anliegenden Häuser wurde kurz darauf vorbereitet.


Der Wind hatte den Brand in einer Feuerwalze verwandelt. Einen Überblick über das Gebiet konnten sich die Einsatzkräfte gar nicht verschaffen. Zu unübersichtlich das Gelände, zu undurchdringlich der Rauch. Hilfe kam von oben: Ein Polizeihubschrauber, eigentlich abgestellt für das Rennen auf dem Sachsenring, lieferte Bilder aus der Luft und schickte sie Legies aufs Handy. "Da haben wir erst das ganze Ausmaß des Feuers erkannt." Später war von mehr als 15 Hektar verbrannter Fläche die Rede. Das ist 75-mal so viel wie ursprünglich gemeldet.

Die Flammen hatten sich über die Garnstraße ausgebreitet, fraßen sich in die trockenen Getreidereste auf dem Boden und drangen in Richtung der Wohnhäuser vor. Anwohner und sogar vom Grand Prix abgerückte Polizisten versuchten, mit Gießkannen zu verhindern, dass die Flammen die Grundstücke erreichten. Gleichzeitig flankierten die Feuerwehren von Oberlungwitz, Hohenstein-Ernstthal, Gersdorf, Hohndorf und Lichtenstein die Feuerwalze, 106 Kräfte mit 19 Fahrzeugen. Zudem dabei: Landwirte, die mit schwerem Gerät Furchen ins Feld pflügten, um so die weitere Ausbreitung des Feuers zu verhindern.

Neben Legies sitzt Gersdorfs Bürgermeister Erik Seidel. "Wir hatten bereits den Befehl gegeben, die Häuser zu evakuieren", sagt er. Die Turnhalle von Gersdorf sei für die Bewohner als Zwischenquartier aufgesperrt worden. "Alles war vorbereitet." Fast zeitgleich, gegen 16 Uhr, bekam er die Nachricht von Legies: "Wir haben es geschafft". Aufatmen.

Dann erhielt der Hauptbrandmeister einen Funkspruch: Feuer auf einem Feld an der Plutostraße. "Ich habe das zunächst für einen Irrtum gehalten", sagt er. Weitere Kräfte habe er angefordert, sie kamen sogar aus dem Erzgebirge und Zwickau. Er selbst habe Schwierigkeiten gehabt, überhaupt zum zweiten Einsatzort zu gelangen. Mehrere Autos von Schaulustigen hatten Straßen blockiert. "Wir hatten drei verletzte Helfer und einen Verkehrsunfall im Rauch, da muss gewährleistet sein, dass die Wege für Rettungsfahrzeuge frei sind." Der Unfall zweier Autos sei ebenso vermeidbar gewesen wie die Behinderung durch Gaffer. Zwei Autos waren im dichten Rauch des Brandes zusammengestoßen. Der Hauptbrandmeister empfiehlt: "Auf keinen Fall in dichten Qualm fahren!" Erstens sehe man nichts und zweitens könnten die Giftstoffe tödlich sein. Die Einsatzkräfte aus dem Erzgebirge konnten gemeinsam mit weiteren angerückten Löschfahrzeugen den Brand unter Kontrolle bringen. An der Plutostraße waren 144 Einsatzkräfte tätig. Insgesamt waren an diesem Tag Trupps von 21 Feuerwehren tätig.

Jetzt, einige Tage später, steht die Auswertung des Einsatzes an. Gemeinde und Feuerwehr sind grundsätzlich zufrieden mit dem Erreichten, wollen allerdings prüfen, ob zukünftig die Wasserversorgung bei Bränden optimiert werden muss. Es habe zwar stets ausreichend Wasser gegeben, so Legies, doch Verbesserungspotenzial bestehe immer. "Jetzt aber sind wir erst mal allen Einsatzkräften wahnsinnig dankbar", sagt Bürgermeister Seidel. Die Ursache des Brandes ist noch unklar.

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