Größere Falter machen sich rar

Der Mähroboter ist nicht gerade Schmetterlingsfreund. Experten aus der Region appellieren an Gartenbesitzer, die Basis für Artenreichtum zu schaffen.

Rödlitz/Glauchau.

Bunte Schmetterlinge wie Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs oder Admiral sind in diesem Sommer bisher nur selten zu sehen. "Kleine Falter gibt es, aber die größeren Arten sind kaum zu beobachten", sagt Tobias Rietzsch von der Naturschutzstation Rödlitztal, die auf dem ehemaligen Sportplatz in Rödlitz ein Biotop pflegt. Falterexperte Wolfgang Wagner aus Langenbernsdorf kennt das Thema. Als er im Juni bei einer Informationsveranstaltung auf einer der Blühwiesen in Glauchau über die Tiere informieren wollte, zeigten sich nur wenige Anschauungsobjekte. Ein Grund dafür sei das Wetter gewesen. "Bei einigen Arten dauert es noch etwas bis sie kommen, aber Sorgen muss man sich trotzdem machen", sagt er.

Durch die vergangenen trockenen Jahre, in denen Futterpflanzen für Schmetterlinge nur spärlich wuchsen, sei der Rückgang der Artenvielfalt vermutlich beschleunigt worden. "Die Entwicklung ist dramatisch", sagt Wagner, der sich seit 50 Jahren mit Faltern beschäftigt. Vor allem seit der Wendezeit sieht er einen kontinuierlichen Rückgang, der verschiedene Gründe habe. Nur die oft gescholtene Landwirtschaft sieht Wolfgang Wagner nicht als Ursache, auch wenn sie dazu beiträgt, dass artenreiche Wegränder verschwinden oder chemische Substanzen in den Naturkreislauf kommen.

Die Entwicklung der Gartenkultur und die Pflege öffentlicher Grünflächen habe sich auch maßgeblich verändert, was Tieren das Leben schwer macht. "Es wird generell zu viel gemäht", stellt Wagner fest. Das erfolge dann oftmals mit neuer moderner Technik, wie Mährobotern, Mulch- oder Schlegelmähern, die bei ihrem Einsatz vor allem Puppen oder Raupen tötet und langfristig auch die Pflanzenvielfalt mindert. Denn die Verfahren, die Pflanzen so klein schneiden, dass sie auf den Flächen verbleiben können, sorgen für eine Nährstoffanreicherung. Diese lässt die für Insekten wichtigen Blühpflanzen verschwinden und fördert das Wachstum des Grases. "Das sorgt für mehr Arbeit und weniger Artenvielfalt. Es ist eigentlich völlig widersinnig, aber entspricht eben diesem übertriebenen Ordnungssinn, den es heute oft gibt", sagt Wagner. Wilde Ecken im Garten, mit Brennnesseln und anderen Nahrungspflanzen, müsse es genau wie Blühstreifen viel mehr geben.

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