"Ich kann mir ein Leben ohne Buchladen nicht vorstellen"

Nach einem Vierteljahrhundert im Geschäft will die Waldenburgerin Steffi Grigo noch nicht aufhören

Die Waldenburgerin Steffi Grigo hat am Sonntag ein Jubiläum gefeiert. Ihren Buchladen an der Peniger Straße betreibt sie seit genau 25 Jahren und räumt mit einem Gerücht auf. Stefan Stolp hat mit der 60-Jährigen am Wochenende gesprochen.

Freie Presse: Frau Grigo, seit einem Vierteljahrhundert betreiben Sie Ihre Buchhandlung im Stadtzentrum, sind durch Höhen und Tiefen gegangen. Welche Perspektive hat ein solcher Laden in einer Kleinstadt wie Waldenburg?

Steffi Grigo: Gar keine.

Aber Waldenburg versteht ich doch als Stadt der Bildung und Kultur, da gehören doch Bücher dazu.

Das ist unbestritten. Aber immer weniger Leute nehmen sich die Zeit, in die Innenstadt zu kommen und dort einzukaufen. Und je mehr Geschäfte schließen, umso schlimmer wird es. Und der Buchhandel im Internet trägt das Seine dazu bei, dass kleine Buchläden keine Chance mehr haben.

Stimmt das Gerücht, dass Sie zum Jahresende aufhören?

Das stimmt definitiv nicht. Ich mache weiter. Denn die Arbeit hier macht mir Freude. Und ich kann mir derzeit ein Leben ohne den Buchladen nicht vorstellen. Die Zeit hier hat mich geprägt.

Wie meinen Sie das?

Ich habe immens viel dazu gelernt. Und über den Kartenverkauf für Konzerte und Veranstaltungen sowie die Arbeit im Freundeskreis der Mozartgesellschaft habe ich viele Menschen kennen und schätzen gelernt. Das will ich nicht missen.

Es gab für das reine Büchergeschäft sicherlich auch bessere Zeiten.

Ja, am Anfang. Da gab es bei den Leuten einen gewissen Nachholebedarf an Büchern. Da lief das Geschäft recht gut. Doch diese Zeiten sind längst vorbei.

Sie haben ihr Geschäft im November 1993 eröffnet. Das ist relativ lange nach der Wende.

In dem Haus befand sich bis 1990 die Volksbuchhandlung der DDR. Damals wurden die Mitarbeiter in den Läden gefragt, ob sie allein weiter machen wollen. In Waldenburg hat man sich dagegen entschieden, sodass der Laden schloss und die Bücher einfach weggeworfen wurden. Um das Haus schließlich kaufen zu können, mussten wir damals so lange warten, weil die Eigentumsfragen anfangs nicht geklärt waren. Das hat eine Weile gedauert.

Wie ging es dann mit dem Buchladen los?

Ich hatte schon immer ein Faible für Bücher, und Handel war mir nicht fremd. Denn zuvor arbeitete ich in der Drogerie meines Bruders. Mein Mann und ich haben dann Kontakt zu Großhändlern gesucht und auf Buchmessen viele Kontakte geknüpft. Schließlich hatten wir uns eine Grundausstattung an Büchern besorgt und einfach im Laden angefangen.

Hand aufs Herz, wie lange werden Sie den Buchladen in Waldenburg noch betreiben?

Ich denke noch ein paar Jahre bis zur Rente.

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