Im geschmückten Kremser einen besonderen Tag erleben

Den Bach runter - "Freie Presse" unterwegs im Lungwitztal. Teil 4: ein Familienunternehmen aus St. Egidien mit einer Vorliebe für Holz und Pferde.

St. Egidien.

Karinka und Szyfra bleiben ruhig stehen, als ihnen Marcel Listner die Hufe lackiert. Die beiden polnischen Kaltblüter sind es gewohnt, herausgeputzt zu werden. Wenn es auf Tour geht, wird nicht nur der Wagen geschmückt, auch die Pferde werden herausgeputzt. "Doch vor allem ist es wichtig, straßensicher zu sein", sagt Jens Listner, der vor vielen Jahren mit den Kremserfahrten im Nebenerwerb begann. Er und Sohn Marcel sind ein eingespieltes Team auf dem Hof an der Lungwitzer Straße 117 in St. Egidien.

Vor 20 Jahren wagte Jens Listner mit der Holzbearbeitung den Schritt in die Selbstständigkeit. "Wir stellen hauptsächlich landwirtschaftliche Koppelpfähle her, Zaunmaterial sowie Kamin-und Brennholz. Unser Material holen wir aus dem Rümpfwald und aus dem Oberwald." Danach wird alles auf einen kleinen Lkw verladen und zu Privatkunden oder in kleinere Firmen gebracht.

Holzverarbeitung und Kremserfahrten sind die Aufgaben des Vaters, Sohn Marcel übernimmt alle Arbeiten der Landwirtschaft. Im Normalfall wird der Tag um sieben Uhr morgens besprochen. "Mich bringt ja sowieso nix aus der Ruhe, auch wenn den ganzen Tag das Handy klingelt, er hat alle Termine im Kopf", sagt Jens Listner. Das Pferde-Hobby begann bei ihm bereits in der Kindheit. "Ich hatte als Kind schon meine eigenen Ponys, und seitdem begleiten mich die Tiere. Im Jahr 2000 machte ich dann über sechs Wochenenden meinen Führerschein für das Kremsergewerbe. Es hat alles seine Ordnung", stellt der Unternehmer klar.

Besonders stolz ist Listner auf seine "Vis-a-vis-Kutsche". Das Gefährt wird bis zu 15-mal im Jahr gebucht, zum Beispiel für Silberhochzeitsfahrten. "Die Kutsche wurde nach altem Vorbild hergestellt. Die Familie unternimmt damit auch selbst kleine Rundfahrten", sagt Listner. So treffen sich jedes Jahr 20 Kutscher im September in Hammerbrücke. "Wir fahren 20 bis 30 Kilometer in Kolonne, das ist für uns ein besonderer Termin."

Die Landtechnik ist das Metier von Junior Marcel Listner. "Wir arbeiten mit der Rundballenpresse für andere, es kommt schon mal vor, dass wir sonntags vier Hektar Heu wegpressen. Dann geht es bis spät in die Nacht hinein. Manche wundert es , dass früh vor acht Uhr keiner auf dem Hof zu sehen ist, aber wenn man bis drei Uhr auf dem Feld arbeitet, muss man auch mal schlafen."

Neben schwerer Landtechnik ist der 27-Jährige mit seinem Fleckvieh und dem schottischen Hochlandrind beschäftigt, doch produziert wird nur für den Eigenbedarf. "Ich bin für die Landwirtschaft geboren, mir macht meine Arbeit großen Spaß." Etwas Gemüse für den privaten Bedarf gehört für ihn auch dazu. "Als Oma noch lebte, blühte es in jeder Ecke. Aber es fehlt für Blumenpflege einfach die Zeit."

Worauf sich Vater und Sohn Jahr für Jahr besonders freuen, ist das Weihnachtsbaumschlagen in der eigenen Plantage. "Bis zu 1000 Stück werden ausgesucht und geschlagen. Wir holen auch die Kinder des Kindergartens im Ort mit der Kremserkutsche ab, und die Kleinen dürfen sich für ihre Einrichtung den schönsten Baum aussuchen."

 

Teil 5: Die Bier-Versteher

Teil 3: Das Heimatmuseum in St. Egidien

Teil 2: Katrin Bohge und ihr Hundefriseursalon 

Teil 1: Matthias Pöschmann und seine Ölmühle

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