Kaum Chancen für Billigtarif

Die Stadt Zwickau sieht angesichts der finanziellen Lage keinen Spielraum das 365-Tage-Ticket einzuführen. Die BfZ-Fraktion sieht noch Beratungsbedarf.

Zwickau.

Die Einführung des 365-Euro-Tickets, mit dem zu diesem Preis ein Jahr lang der öffentliche Nahverkehr im Stadtgebiet Zwickau genutzt werden kann, gilt derzeit als unwahrscheinlich. In Anbetracht der aktuellen Entwicklung der Finanzsituation sehe die Verwaltung keinen Spielraum zur Umsetzung der zusätzlichen freiwilligen Leistung, heißt es als Fazit in einer Informationsvorlage für den Stadtrat. Das ist das vorläufige Ergebnis eines Prüfauftrages, den der Stadtrat im November 2019 auf Antrag der Fraktion Bürger für Zwickau (BfZ) der Verwaltung erteilt hatte.

Ein weiterer Grund: Die Verkehrsunternehmen haben wegen der Corona-Pandemie bereits mit größeren finanziellen Unwägbarkeiten zu kämpfen. Doch auch ohne die Folgen der Pandemie scheint die Einführung des Billigtickets problematisch, was auch an der komplizierten Struktur des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS) liegt.

Das Ticket kann laut Vorlage nur eingeführt werden, wenn das auch alle anderen Mitglieder des VMS tun. Die Städtischen Verkehrsbetriebe (SVZ) seien als Kooperationspartner verpflichtet, dessen Tarife und Tarifzonen anzuwenden. Doch die Zone 16 ist nicht identisch mit dem Zwickauer Stadtgebiet, sondern größer. Zwickau könnte zwar über die SVZ eine eigenständige Lösung erwirken, die jedoch am Stadtrand enden würde. Fahrgäste die darüber hinaus fahren wollen, bräuchten dann in einer Zone zwei Fahrscheine. Das mache den Fahrplan unübersichtlich, zumal in manchen Ortsteilen auch andere Busunternehmen im Linienverkehr fahren, die mit dem 365-Euro-Ticket nicht genutzt werden könnten. Das würde unter anderem Mosel, Oberrothenbach und Schlunzig betreffen.

Die Einführung des 365-Euro-Ticket würde allein bei der SVZ zu Einnahmeverlusten von 805.000 Euro pro Jahr führen. Im städtischen Haushalt seien dafür keine Mittel vorhanden, teilt die Stadtverwaltung mit.

BfZ-Fraktionsgeschäftsführer Tristan Drechsel übte Kritik am Umgang der Verwaltung mit der Vorlage, die erst am Vormittag des Sitzungstages ausgereicht wurde. "Das reicht nicht, um sich mit dem Thema zu befassen". Außerdem sei in dem Prüfauftrag eine Beratungsvorlage und keine Informationsvorlage gefordert worden. Er geht davon aus, das nach der Sommerpause über das 365-Euro-Ticket beraten wird.

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