Kita-Gebühren vergleichsweise hoch

217 Euro pro Monat für die Betreuung eines Krippenkindes. In Glauchau sind für die Eltern die Kita-Plätze sehr teuer. Ob sich das ändern wird, bleibt abzuwarten.

Glauchau.

Sophia Stöffin zählt alles zusammen und kommt auf fast 300 Euro. Diesen Beitrag muss sie monatlich berappen, um ihr 16 Monate altes Kind in der Krippe unterzubringen. Den Löwenanteil machen mit 217,55 Euro die Kitagebühren aus, der Rest geht für die Verpflegung des Kindes drauf. 217,55 Euro kostet es, wenn Eltern ihr Krippenkind neun Stunden am Tag in einer Glauchauer Kindertagesstätte oder von einer Tagesmutter betreuen lassen. Wird das Kind lediglich siebeneinhalb Stunden betreut, macht das 181,29 Euro. "Da wir beide arbeiten, sind wir auf die neun Stunden Betreuung angewiesen", sagt die junge Mutter.

Die Kitagebühren in Glauchau sind überdurchschnittlich hoch, stellt der Stadtrat der Freien Wähler in Glauchau, Stephan Wusowski, fest. Auf seine Anfrage hin bekam er von der Glauchauer Stadtverwaltung eine entsprechende Übersicht über die Gebühren der Kinderbetreuung im gesamten Landkreis. Und daraus geht hervor, dass die Stadt Glauchau mit ihren Gebühren im oberen Drittel liegt. Der durchschnittliche Elternbeitrag für Krippenkinder im gesamten Landkreis liegt bei 207,41 Euro. Ausreißer nach oben ist zum Beispiel Gersdorf mit 247,27 Euro. In Meerane liegt die Krippen-Gebühr bei 152,72 Euro.

Die Freien Wähler haben die hohen Glauchauer Kita-Gebühren als Thema entdeckt. "Wir erarbeiten derzeit einen Prüfantrag, der zum Ziel hat, dass die Stadtverwaltung dem Stadtrat belastbare Zahlen vorlegt", kündigt Wusowski an. Nur so könnten die Freien Wähler bis zur nächsten Haushaltsdiskussion Mehrheiten im neuen Stadtrat gewinnen. Zur Erklärung: In Glauchau gilt der Doppelhaushalt 2019/20. Den hat der Stadtrat Ende Januar beschlossen. Die nächste Haushaltsdiskussion betrifft den danach kommenden Etat für das Jahr 2021. Bis dahin wird es einen neuen Stadtrat in Glauchau geben, der am 26. Mai auf vier Jahre gewählt wird. Doch wie kommen die unterschiedlichen Kita-Gebühren zustande? Da hilft ein Blick in die Gesetze. Der Betrieb einer Kindereinrichtung verursacht Personal- und Sachkosten. Für diese Kosten kommen laut sächsischem Kitagesetz der Freistaat Sachsen, die Kommune und die Eltern auf. Der Anteil, den die Eltern aufbringen müssen, liegt im Krippenbereich derzeit zwischen 20 und 23 Prozent, im Bereich der Kindergärten zwischen 20 und 30 Prozent. Das soll sich laut Haushaltsbegleitgesetz des Freistaates nun ändern. Der Elternanteil für Krippenkinder liegt künftig zwischen 15 und 23 Prozent, der für Kindergartenkinder zwischen 15 und 30 Prozent. Für das letzte Kindergartenjahr gilt demnächst die Spanne von 0 bis 30 Prozent. Das heißt, die Kommunen können den Anteil, für den die Eltern aufkommen müssen, absenken. In Glauchau liegt der Elternanteil an den zulässigen Höchstgrenzen - Krippe: 23 Prozent, Kindergarten: 30 Prozent. Theoretisch könnte die Stadt diese Elternanteile auf das zulässige Mindestmaß absenken, nämlich 15 Prozent für Krippen- und Kindergartenkinder, im letzten Kita-Jahr sogar null Prozent, das heißt für Eltern kostenfrei. Aber, das, was die Eltern weniger bezahlen, müsste die Stadt ausgleichen. Und das würde nach Auskunft aus dem Glauchauer Rathaus die Finanzkraft der Stadt weiter schmälern.

An dieser Stelle wollen die Freien Wähler nun ansetzen. Stephan Wusowski: "Es wird immer schwerer, den Menschen zu vermitteln, dass wir Großbaustellen wie die Hirschgrundbrücke, den Schlossvorplatz und kleine Maßnahmen wie das Toilettenhäuschen im Schillerpark durchführen, soziale Fragen, jenseits von Streuwiesen und Fair-Trade-Projekten, vom Stadtrat aber unbeachtet bleiben."

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