Meeraner Planungsspezialist ist in wirtschaftlicher Schieflage

Die Unternehmensgruppe HLS mit Sitz in Augsburg hat Insolvenzantrag für zwei Gesellschaften gestellt. Davon ist auch der Standort Meerane betroffen - der Geschäftsbetrieb geht aber weiter.

Meerane.

Die Beschäftigten erfuhren bei einer Betriebsversammlung von dieser Misere: Die Firma HLS Ingenieurbüro im Meeraner Gewerbegebiet, die sich mit der Planung, Entwicklung und Konstruktion von Maschinen und Anlagen für den Werkzeugbau, die Roboteranwendungstechnik sowie Fertigungseinrichtungen beschäftigt, hat wirtschaftliche Probleme. Wie Unternehmenssprecherin Sabine Hanke bestätigte, haben die HLS Engineering Group und HLS Ingenieurbüro, zu der der Meeraner Standort zählt, einen sogenannten Insolvenzantrag in Eigenverantwortung gestellt. Das heißt, der Schuldner behält die Verfügungsgewalt über sein Unternehmen, bleibt Herr des Geschehens.

Hanke begründete den Schritt mit in den vergangenen beiden Jahren rückläufigen Umsätzen im Automotive-Bereich und wachsendem Preisdruck. Trotz erster Restrukturierungsmaßnahmen der Geschäftsleitung seien die Auftragseingänge und Umsatzzahlen in diesem Jahr erneut hinter den Erwartungen geblieben. Betroffen sind in Meerane gut 60 Mitarbeiter, deren Gehälter bis einschließlich Oktober gesichert sind, da es sich um einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung handelt. "Danach muss das Unternehmen die Gehälter aus der Insolvenzmasse und den laufenden Einnahmen aus seinen Kundenprojekten begleichen", sagte Anwalt Matthias Hofmann von der Kanzlei Pohlmann Hofmann, der vom Augsburger Amtsgericht als vorläufiger Sachwalter eingesetzt wurde. Er hat die Aufgabe, den Schuldner bei der Eigenverwaltung zu überwachen.

Entlassungen stehen laut Hofmann derzeit nicht an, da bereits in der Vergangenheit innerhalb der erfolgten Restrukturierungsmaßnahmen ein Personalabbau stattfand. "Unser Ziel ist es, einen neuen Investor zu finden, der die HLS-Gruppe einschließlich des operativ wichtigen Standorts in Meerane fortführt", sagte der Fachanwalt für Insolvenzrecht. Der Meeraner Standort steht seiner Ansicht nach nicht besser oder schlechter da als die gesamte Firma HLS Ingenieurbüro. Es gehe darum, die Unternehmensgruppe nachhaltig zu sanieren. Die Wirtschaftskanzlei SGP Schneider Geiwitz berät die Geschäftsführung - in Abstimmung mit dem Sachwalter. "Wir arbeiten daran, das Unternehmen für die Zukunft trotz schwieriger Marktsituation in der Automobilbranche gut aufzustellen", so Christian Plail, Sanierungsberater bei SGP.

Auch Janko Neubert, Chef des Geschäftsbereichs Konstruktion/Simulation, Mitglied der Geschäftsleitung sowie zuständig für den Standort Meerane, ist optimistisch. Denn beim Schwenk der Autobranche vom Verbrennungsmotor zum Elektroauto würden sich viele Unternehmen derzeit mit Investitionen zurückhalten. Das mache sich nun auch bei dem Planungsspezialist für automatisierte Schweißanlagen zur Herstellung von Fahrzeugkarosserien bemerkbar. Zwar gibt es keinen Betriebsrat. Firmensprecherin Hanke sagte, dass es für die Belegschaft "fortlaufend Informationstreffen" gibt. HLS, 1996 in Augsburg gegründet, zählt über 300 Mitarbeiter. Die Unternehmensgruppe hat eigenen Angaben nach 2018 einen Umsatz von 30 Millionen Euro erwirtschaftet. Laut Firmensprecherin Hanke ist die Tochtergesellschaft HLS Robotic Automation in Chemnitz von dem Insolvenzverfahren nicht betroffen. Gleiches gelte für HLS Tschechien und HLS Vietnam mit 140 Beschäftigten. Sie stünden "der Unternehmensgruppe weiter als verlängerte Werkbank bereit".


Sanierungsberater helfen angeschlagene Firma in Meerane auf die Beine

Die HLS Engineering Group ist Engineering-Dienstleister und innovativer Lösungsanbieter für roboterbasierte Automatisierung. An sechs Standorten weltweit ist die HLS überwiegend für die internationale Automobilindustrie im Karosseriebau und der Montagetechnik tätig. HLS bietet Ingenieurleistungen von der Produktionsplanung über die Konstruktion und Simulation von Produktionsanlagen bis zur Programmierung und der Inbetriebnahme im Werk an. Die Insolvenzkanzlei Pohlmann Hofmann betreibt Büros in München, Augsburg und Ulm. Schwerpunkte der Tätigkeit bilden Restrukturierung- und Sanierungsmaßnahmen in Insolvenzverfahren, die Begleitung bei Eigenverwaltungsverfahren, die Begleitung von Insolvenzverfahren mit komplexen Rechtsproblemen sowie von Konfliktinsolvenzen.

Die Wirtschaftskanzlei Schneider Geiwitz, die HLS innerhalb der Sanierung in Eigenverwaltung berät, zählt 280 Mitarbeiter. Neben der Restrukturierung beschäftigt sich die Kanzlei mit Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Rechtsberatung, Corporate Finance sowie Immobilienverwaltung. (jwa)

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