Missbrauch:Staatsanwalt fordert fast fünf Jahre Haft

Geständnis erspart Opfern Vernehmung und wirkt sich strafmildernd aus

Zwickau.

Das Urteil für einen 44-Jährigen, der sich wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen im Alter von 13 bis 18 Jahren vor dem Zwickauer Landgericht verantworten muss, wird für den heutigen Mittwoch erwartet.

Staatsanwalt Martin Bierlein forderte in seinem Plädoyer am Dienstag eine Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und elf Monaten ohne Bewährung. Außerdem beantragte er die Einziehung aller sichergestellten elektronischen Geräte - das Tablett, die Speichermedien und das Smartphone des Mannes. "Der Angeklagte hat die Naivität der Jugendlichen schamlos ausgenutzt. Außerdem ist er einschlägig vorbestraft und durch massive Drohgebärden im Gericht aufgefallen", sagte der Staatsanwalt. Die Gesamtstrafe hätte laut Martin Bierlein in diesem Fall bei sechs bis sieben Jahren gelegen. Jedoch wirke sich das umfassende Geständnis des Angeklagten strafmildernd auf das Urteil aus.

Die zwei Dortmunder Anwälte des Angeklagten forderten aufgrund des Geständnisses ihres Mandanten das unterstes Strafmaß von vier Jahren und sechs Monaten. Durch sein Geständnis habe er den sechs Opfern die Zeugenvernehmung und Fragen zu den Details der Tat erspart. Außerdem sei ihr Mandant therapiewillig. Der Angeklagte erhielt am Dienstag die Möglichkeit einer letzten Stellungnahme. Darin räumte er die Tat ein. "Ich entschuldige mich bei den Geschädigten", sagte der 44-Jährige.

Der Mann sitzt nicht zum ersten Mal auf der Anklagebank. 16 Eintragungen sind im Bundeszentralregister vermerkt, unter anderem Diebstahl, Unterschlagung und Nötigung. Zuletzt hatte ihn ein Gericht in Bonn wegen sexuellen Missbrauchs zu drei Jahren Haft verurteilt. Der Angeklagte tauchte, nachdem er seine Haft antreten sollte, ab. In Waldenburg sprach er danach zwei Jugendliche an und gab sich als Tom Berger, Mitarbeiter einer Werbeagentur, aus. Bei einem vorgetäuschten Fotoshooting forderte er die Jungen zu sexuellen Handlungen auf. Ein Pärchen, ein 18-Jähriger und eine 13-Jährige, wollte er zudem überreden, in einem Pornofilm mitzuwirken.

Am 7. Januar war der Angeklagte während des Prozesses am Landgericht in Zwickau durch aggressives Verhalten aufgefallen. Er hatte ein Fernsehteam bespuckt, beschimpft und attackiert.


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