Nach 20 Jahren ist es vorbei mit der prickelnden Erotik in Museen

Ein letztes Mal ist ein Teil der Sammlung von Dieter Krügel auf Schloss Frohburg zu sehen. Danach stehen die Exponate zum Verkauf.

Glauchau.

Ein paar Tränen sind zu sehen, wenn er über sein Lebenswerk spricht. Nach zwei Jahrzehnten des Sammelns sind bei Dieter Krügel 1300 Skulpturen und Gegenstände aus etwa 90 Ländern zusammengekommen. Er hat alles sorgfältig katalogisiert und nach Kontinenten geordnet in drei Räumen untergebracht. Doch jetzt ist Schluss. Aus gesundheitlichen Gründen verkauft er die Exponate seiner wohl einmaligen Sammlung erotischer Kunstgegenstände und Objekte des Phalluskultes. "Das fiel mir am Anfang sehr schwer. Mittlerweile sehe ich das aber realistisch. Meine zwei Söhne interessieren sich nicht dafür", so der Sammler. Bisher habe er 106 Objekte verkauft. Zuletzt an einen Kameramann aus Venezuela, der während Dreharbeiten über seine Sammlung auf zwei Objekte aus seinem Heimatland aufmerksam wurde.

Ein letztes Mal wird nun ein Teil seiner Sammlung in der Sonderausstellung "Die Lust der Verführung - Erotische Kunst, Unterwäsche, Dessous" auf Schloss Frohburg gezeigt. "Unter anderem präsentieren wir Skulpturen des Sammlers aus Glas, Holz und Keramik aus Afrika, Europa, Asien und Ozeanien", sagt Marion Buschmann, im Frohburger Schloss für die Organisation der Sonderschauen verantwortlich. Krügels Objekte seien eine Bereicherung für die Ausstellung. "So etwas sieht man sonst nur im Fernsehen", fügt sie hinzu. Bisher sei sie mit der Besucherresonanz sehr zufrieden.


Krügels Sammelleidenschaft für erotische Kunstwerke begann 1999 bei einem Mexikourlaub. "Dort beschlossen meine Frau und ich, dass wir uns nur noch auf Mitbringsel beschränken, die sich mit dem Fruchtbarkeits- und Phalluskult beschäftigen", so der Glauchauer. Von seinen zahlreichen Reisen hat der Sammler einige unterhaltsame Anekdoten zu berichten. In Bali habe er erotische Bronzefiguren gekauft. Da die Figuren sehr schwer waren, entschloss er sich, diese im Handgepäck mitzunehmen. "Meine ausgebeulte Tasche fiel einem Polizeibeamten auf dem Flughafen auf. Nachdem er den Inhalt überprüft hatte, musste er schmunzeln und ließ mich weiter. Ich sah, wie er noch telefonierte, als ich ging. Ein paar Schritte weiter das gleiche Prozedere. Anscheinend hatte sich die Sache herumgesprochen", so der ehemalige Mitbegründer und Geschäftsführer der Glauchauer Berufsförderung. Neben seinen zahlreichen Reisen ist er auch auf Trödelmärkten, bei Antikhändlern und auf Auktionen fündig geworden.

Die Bedeutungen und Legenden ethnologischer Objekte haben Krügel besonders interessiert. In seiner Sammlung befinden sich Schamanen-Utensilien aus Grönland, die kinderlosen Frauen Fruchtbarkeit bescheren sollten, und aus Holz gefertigte Phallusobjekte aus Thailand, die als Abwehr böser Geister dienten. Erotische Objekte aus Amerika waren dagegen schwieriger zu finden, so der Sammler. "Da ist man eher prüde. Aber bei den Indianern Nordamerikas bin ich fündig geworden." Sein Sammel-Credo: Soviel wie möglich Objekte mit unterschiedlichen Darstellungen aus unterschiedlichen Regionen zu sammeln.

Mit seiner Sammlung habe er, im Gegensatz zu anderen Privatsammlern, den Weg in die Öffentlichkeit gesucht. Neben Ausstellungen in Meerane, Waldenburg, Lichtenstein und Stralsund habe er auch private Führungen gegeben. Drei volle Gästebücher zeugen davon. So war unter anderem Lilo Wanders, eine bekannte deutsche Travestiekünstlerin, und der Fernsehmoderator Hans-Joachim Wolfram ("Außenseiter-Spitzenreiter") zu Gast.

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